Dienstag, 28. Mai 2024
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Knebel-Brief der FIFA sorgt bei Fußballverbänden für Ärger

Doch die einzelnen Fußballverbände wollen sich den Mund nicht verbieten lassen

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Für den Weltfußball-Verband FIFA wird die Weltmeisterschaft in Katar immer mehr zum PR-Fiasko: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien, zahlreiche Menschenrechtsverletzungen im Land und staatliche Repression gegenüber sexuellen Minderheiten gehören zu jenen Schlagzeilen, die man im FIFA-Hauptquartier nicht gerne liest. Nun möchte die FIFA ihre Mitglieder verpflichten, zu diesen Themen keine Stellung mehr zu nehmen.

„Lassen sie nicht zu, dass der Fußball in einen politischen Kampf hineingezogen wird“

„Wir wissen, dass Fußball nicht in einem Vakuum lebt, und wir sind uns ebenso bewusst, dass es überall auf der Welt viele Herausforderungen und Schwierigkeiten politischer Art gibt. Aber lassen Sie bitte nicht zu, dass der Fußball in jeden ideologischen oder politischen Kampf hineingezogen wird, den es gibt“, heißt es in einem Schreiben, das FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura jenen 32 Verbänden geschickt hat, die an der WM-Endrunde in Katar teilnehmen.

In dem Schreiben betont der Weltfußball-Verband – trotz der Berichterstattung der letzten Monate oder der geltenden Rechtslage – dass in Katar jedermann, „unabhängig von Herkunft, Hintergrund, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Nationalität“, willkommen sei. Man versuche bei der FIFA „alle Meinungen und Überzeugungen zu respektieren, ohne dem Rest der Welt moralische Lektionen zu erteilen“.

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Zahlreiche Verbände erteilen dem Brief eine deutliche Absage

Doch zehn europäische Verbände, darunter der deutsche DFB, lehnen den FIFA-Maulkorb brüsk ab. „Wir werden weiterhin Impulse für positiven, progressiven Wandel unterstützen und uns weiter für ein überzeugendes Ergebnis hinsichtlich der zwei entscheidenden und offenen Themen einsetzen und engagieren, über die wir seit langer Zeit mit der FIFA diskutieren“, heißt es in einer abgestimmten Erklärung.

Auch der australische Fußballverband hat die Arbeitsbedingungen der Arbeiter für die Stadion-Baustellen und die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Kontakte kritisiert. Nicht die erste Kritik aus Australien: Der offen schwule Profi Josh Cavallo sagte im März auf die Frage, ob er bei einer Nominierung nach Katar gehen würde: „Ich habe so etwas gelesen, dass es die Todesstrafe für homosexuelle Menschen in Katar gibt. Das ist also etwas, was mir große Angst macht und ich würde nicht wirklich nach Katar gehen wollen.“

Am deutlichsten zeigt der US-amerikanische Fußballverband, was er von den Beschwichtigungen der FIFA hält. So prangt im Trainingszentrum des Teams ein regenbogenfarbiges Mannschaftslogo. Teamsprecher Neil Buethe bestätigte, dass das Regenbogenlogo „beim Teamhotel, Medienbereichen und Parties“ an jedem Ort, der vom US-Team verwaltet wird, zu sehen sein wird, neben dem traditionellen weiß-blauen Logo.