Mehr Hasskriminalität gegen queere Menschen in Berlin

Fast zehn Prozent der Hassverbrechen sind gefährliche Körperverletzungen

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

In Berlin hat die Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus dem zweiten Monitoringbericht zu trans- und homophober Gewalt hervor, den die Berliner Justizsenatorin Lena Kreck von den Linken am Montag vorgestellt hat.

Anstieg der Taten um mehr als 20 Prozent

So geht der Anstieg der Gewalttaten, der bereits seit 2014 beobachtet wird, weiter: Wurden 2020 noch 377 LGBTI-feindliche Straftaten in Berlin erfasst, waren es im vergangenen Jahr bereits 456 Delikte. Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent. 

Am häufigsten hat es sich bei den erfassten Taten mit 46 Prozent um Beleidigungen gehandelt. Doch bei 28,7 Prozent aller registrierten Delikte handelte es sich um Körperverletzungen gegen Angehörige sexueller Minderheiten, bei 9,6 Prozent sogar um gefährliche Körperverletzungen.

Die Täter: Meistens männlich, oft jung und polizeibekannt

Bei den bekannten Tätern handelt es sich in neun von zehn Fällen um Männer – zunehmend unter 20 Jahre alt und auffällig oft bereits polizeibekannt. Mehr als die Hälfte der Vorfälle fand in den Abend- und Nachtstunden – zwischen 18.00 Uhr und 6.00 Uhr früh – statt.

Die bei der Polizei angezeigten Straftaten beziehen sich oft auf queere Ausgeh- und Wohnviertel: So entfiel ein Viertel der Delikte auf den Bezirk Mitte, jeweils etwa ein Fünftel auf Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Zehntel aller Fälle wurde aus Neukölln gemeldet.

Der Bericht will ein Beitrag zum öffentlichen Bewusstsein sein

Der Monitoringbericht wird von der gemeinnützigen Organisation Camino erstellt. Er stützt sich auf amtliche Zahlen der Polizei und Staatsanwaltschaften, ergänzt um Angaben von Beratungsstellen und Betroffenen. Sowohl staatliche Stellen als auch Opferberatungen gegen davon aus, dass die Dunkelziffer bei diesen Delikten noch deutlich höher ist.

Wie Justizsenatorin Krenk betont, sei die Bekämpfung von Hassgewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Mit dem Monitoringbericht wollen wir zu einem öffentlichen Bewusstsein beitragen“, betont sie. Denn dazu gehören auch transparente Informationen, „wie die Situation in Berlin tatsächlich ist“.

Betroffene von Hassgewalt sollen motiviert werden, Vorfälle zu melden und anzuzeigen. Dazu gebe es in Berlin bereits eine gut ausgebaute Infrastruktur: So haben sowohl die Polizei  als auch die Staatsanwaltschaft  eigene Ansprechpartner:innen für queere Menschen. Diese Infrastruktur werde „durch den Monitoringbericht um ein wichtiges Instrument ergänzt“, so Kreck.