Samstag, 20. Juli 2024
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Grindr in London vor Gericht: HIV-Status der User mit Werbefirmen geteilt

In Großbritannien könnte sich die Dating-App Grindr vor Gericht verantworten müssen. Sie soll gegen Datenschutz-Gesetze verstoßen haben, weil sie unter anderem den HIV-Status der Nutzer mit ihren Werbepartnern geteilt hat.

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Der unter schwulen und bisexuellen Männer beliebten Dating-App Grindr droht eine Klage von Hunderten Nutzern. Das berichtet die britische Tageszeitung The Guardian . Die User werfen den Betreibern der App vor, hochsensible persönliche Daten – darunter in einigen Fällen den HIV-Status – an Werbefirmen weitergegeben zu haben.

Grindr hat gegen britisches Datenschutzrecht verstoßen, ist sich eine Anwaltskanzlei sicher

Damit habe Grindr die Daten tausender britischer Nutzer der App missbraucht und gegen britisches Datenschutzrecht verstoßen, ist sich die Anwaltskanzlei Austen Hays sicher. Sie hat angekündigt, am heutigen Montag Klage gegen den US-Eigentümer der App vor dem Londoner High Court einzureichen.

Die Klage konzentriert sich dabei auf die mutmaßliche Weitergabe personenbezogener Daten durch Grindr an zwei Werbeunternehmen. Außerdem vermutet Austen Hays, diese Unternehmen könnten diese Daten an weitere Unternehmen weiterverkauft haben.

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Die Kläger könnten mehrere tausend Pfund Schadenersatz bekommen

„Unsere Kunden waren sehr verärgert darüber, dass ihre hochsensiblen und privaten Informationen ohne ihre Zustimmung weitergegeben wurden, und viele von ihnen fühlten sich dadurch verängstigt, beschämt und verunsichert“, so Chaya Hanoomanjee, Geschäftsführerin von Austen Hays, gegenüber dem Guardian.

Die Klage konzentriert sich auf die Zeiträume vor dem 3. April 2018 sowie zwischen dem 25. Mai 2018 und dem 7. April 2020. Danach hatte Grindr die Art, wie die App die Zustimmung der Nutzer einholt, geändert.

Bis jetzt haben sich 670 Nutzer der Klage angeschlossen. Der Anwaltskanzlei zufolge hätten „Tausende“ weitere Personen Interesse, sich anzuschließen. Sie geht davon aus, dass einige User Anspruch auf mehrere tausend Pfund Schadenersatz haben könnten.

Grindr weist die Vorwürfe zurück

Grindr selbst weist die Vorwürfe energisch zurück. Man sei „stolz auf unser globales Datenschutzprogramm“ und nehme „Datenschutz sehr ernst“, heißt es aus dem in Los Angeles ansässigen Unternehmen.

„Wir verpflichten uns, die Daten unserer Nutzer zu schützen und alle geltenden Datenschutzbestimmungen einzuhalten, auch in Großbritannien“, so ein Sprecher: „Wir beabsichtigen, energisch auf diese Behauptung zu reagieren, die auf einer falschen Darstellung von Praktiken von vor mehr als vier Jahren, also vor Anfang 2020, zu beruhen scheint.“

Datenschutzverstöße: 5,5 Millionen Euro Geldstrafe in Norwegen

Allerdings hatten norwegische Forscher gemeinsam mit der österreichischen Datenschutz-NGO NOYB bereits im Jahr 2018 den fragwürdigen Datenaustausch aufgedeckt. Danach kündigte Grindr an, zumindest den HIV-Status seiner Nutzer nicht mehr mit Dritten zu teilen.

Die norwegische Datenschutzbehörde verurteilte Grindr dennoch wegen Verstößen gegen die DSGVO im Jahr 2021 zu einer Geldstrafe in der Höhe von 65 Millionen Kronen, nach heutigem Kurs mehr als fünfeinhalb Millionen Euro, was 10 Prozent des weltweiten Umsatzes entspricht. 

Grindr ist die weltweit größte Dating-App für schwule und bisexuelle Männer

Dabei hat sich die Behörde aber nicht auf die Weitergabe des HIV-Status der Nutzer konzentriert, sondern auf die Tatsache, dass schon ein Account bei Grindr eine sensible Information ist, da er auf die sexuelle Orientierung oder Geschlechtszugehörigkeit schließen lässt. Grindr hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt.

Grindr wurde im Jahr 2009 gegründet, um schwulen Männern das Organisieren von Dates zu erleichtern. Eigenen Angaben zufolge ist das in Los Angeles beheimatete Unternehmen heute mit Millionen Nutzern die weltweit größte Dating-App für Schwule und bisexuelle Männer, trans und queere Menschen.