[Videos] Wichtigster queerer Filmpreis für österreichische Produktion

'Teddy' für 'Kater' von Händl Klaus

„Kater“, der Film des österreichischen Regisseurs Händl Klaus, hat im Rahmen der Berlinale am Freitag den „Teddy“ als bester queerer Spielfilm gewonnen. Der „Teddy“ gilt weltweit als eine der wichtigsten Auszeichnungen im Queer Cinema.

Der Film handelt von Andreas, gespielt von Philipp Hochmair, und dem von Lukas Turtur verkörperten Stefan, einem schwulen Paar, das mit ihrem Kater Moses ein scheinbar zufriedenes Leben in einem alten Haus in den Wiener Weinbergen führt. Doch ein unerwarteter Gewaltausbruch von Stefan zerstört die Harmonie und führt zu Skepsis und Entfremdung in der Beziehung.

„Mithilfe der herausragenden Performance einer Katze nutzt ‚Kater‘ seinen haarigen Star, um die Gewalt, die unter der Oberfläche eines scheinbar idyllischen Lebens lauert, bloß zu legen“, heißt es in der Begründung der Jury, die sich in ihrer Begründung auch darüber wundert, dass die Geschichte einer ehrlichen und einfühlsamen Liebe nicht anhand eines lesbischen Paares gezeigt wird.

Weiters lobt die Jury die handwerkliche Qualität von „Kater“ und würdigt „einen meisterhaften Schnitt, wunderschöne Kinematographie und eine großartige Leistung des menschlichen Ensembles“. Das Resultat sei „ein packender und verwirrender Film, der zum Nachdenken anregt und das Publikum auch lange nach Verlassen des Kinos nicht loslässt“, so die Begründung für die Verleihung des „Teddy“.

Der Film wurde unter anderem vom Filmfonds Wien und dem ORF mitfinanziert. In Nebenrollen sind unter anderem die Publikumslieblinge Thomas Stipsits, Manuel Rubey und Gerald Votava zu sehen.

Gratulationen für Händl Klaus gab es unter anderem vom Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. „Die Diversität des heimischen Filmkinos findet damit nach den großen Filmerfolgen von 2015 eine weitere internationale Anerkennung“, freut er sich über den „Teddy“ für den österreichischen Regisseur.

Als beste Dokumentation zeichnete die Jury „Kiki“ aus, einen Film der schwedischen Regisseurin Sara Jordenö. Der Film gibt Einblicke in die Welt der jungen schwarzen LGBT-Community in den USA. „Uns wird ein intimer Zutritt gestattet in die Leben junger Vogue-Tänzer, die, wie ihre Vorgänger, selbstgewählte Familien innerhalb eines Netzwerks von Häusern erschaffen“, so die Jury.

Chilenischer Film wurde von der Realität eingeholt

Traurige Aktualität bekam der chilenische Spielfilm „You Will Never Be Alone“ („Nunca vas a estar solo“), der mit dem „Special Jury Award“ ausgezeichnet wurde. Der chilenische Film thematisiert die homophobe Gewalt in dem südamerikanischen Land. Die Idee zu dem Film kam Regisseur Alex Anwandter nach der Ermordung des offen schwul lebenden Chilenen Daniel Zamudio durch Neonazis.

Denn in der Nacht auf Mittwoch gab es in Chile erneut einen Mord an einem jungen Schwulen: Der 20-jährige Marcelo Velius Lepez Parraguez wurde im Streit von seinem Nachbarn erschossen, Auslöser dürfte die Homosexualität des jungen Mannes gewesen sein.

Doch mit solchen Verbrechen soll sich Chile nicht abfinden, ist die Botschaft Anwandters. „Statt Hass-Verbrechen als Normalität darzustellen, fordert der Film sein Publikum auf, seine Beziehung zu solch schrecklichen Taten zu überdenken“, begründet deshalb auch die Jury den Preis für den Regisseur.

Sonderpreis für Ikonen des Independent-Films

Den „Special Teddy Award“ gab es für die Filmproduzentin Christine Vachon. Sie hat gemeinsam mit ihrer Partnerin die Produktionsfirma „Killer Film“ gegründet, die in den letzten zwei Jahrzehnten einige der wichtigsten Independent-Spielfilme produzierten.

Dazu gehören unter anderem der für vier Oscars nominierte „Far from Heaven“, die Oscar-Gewinner „Still Alice“ und „Boys Don’t Cry“ mit Hillary Swank oder „One Hour Photo“ mit Robin Williams, „Hedwig And The Angry Inch“, „Velvet Goldmine“ oder „Kill Your Darlings“. Auch „Carol“, der für sechs Oscars nominiert ist, wurde von „Killer Film“ produziert. Eine Leistung, die auch das Publikum würdigte: Als der Preis an Vachon verliehen wurde, gab es Standing Ovations.

Liebe im Sexklub: Publikumspreis für französischen Film

Der Publikumspreis ging an den französischen Spielfilm „Paris 05:59“, der im Original „Théo et Hugo dans le même bateau“ heißt. Er handelt von Théo und Hugo, die in einem schwulen Sexclub übereinander herfallen und dann mit ihren Gefühlen füreinander heillos überfordert sind. Regie führten Olivier Ducastel und Jacques Martineau, die Hauptrollen spielen Geoffrey Couet und François Nambot.

„Mit meisterhaftem Feingefühl lassen Olivier Ducastel und Jacques Martineau uns daran teilhaben, wie zwei Männer in einer tiefen gegenseitigen Verunsicherung stranden und dennoch nach Nähe suchen“, so die Organisatoren des „Teddy“ zu dem Film.