Gütersloh: Immer mehr Opfer der Homo-Hasser melden sich

Doch solange keiner der Männer auch Anzeige erstattet, ist die Polizei machtlos

Symbolbild: Blaulicht - Archiv
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In Gütersloh im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden offenbar mehr schwule Männer Opfer einer homophoben Bande als bisher angenommen: Wie die „Neue Westfälische“ berichtet, haben sich mittlerweile elf Opfer gemeldet.

Eier und Steine statt Date

Ins Rollen kam der Fall, als eines der Opfer in der „Osnabrücker Zeitung“ sein Schweigen brach: Über die schwule Dating-Plattform PlanetRomeo habe der 42-Jährige ein Date mit einem „Uwe“ ausgemacht. Am ausgemachten Treffpunkt, einer verlassenen Bushaltestelle, wartete aber kein Date. Stattdessen wurde er von Unbekannten mit Eiern beworfen. An einem zweiten Ort, an den er anschließend gelockt wurde, warfen die Unbekannten mit Steinen nach ihm, beschimpften ihn schwulenfeindlich und verfolgten den Davonlaufenden.

Anzeige wollte der Mann keine erstatten: Er hatte Angst, dass die mutmaßlichen Täter dann seine Adresse erfahren könnten. Und mit dieser Angst rechnen die Täter offenbar. Bis jetzt sind nach Informationen der „Neuen Westfälischen“ mindestens elf Fälle bekannt, die nach diesem Muster abliefen.

Verabredungen mit gefälschten Profilen

Bereits vor einem Jahr wurde ein 37-Jähriger aus der Region von den Unbekannten bedroht: Er sollte zu seinem Date Poppers mitnehmen, Treffpunkt war die bekannte Bushaltestelle. „Ich fuhr zu der Haltestelle, dann fing er an, mich zu bedrohen. Ich sollte die Drogen auf den Boden legen und verschwinden. Ansonsten würde er mich zusammenschlagen“, erinnert sich das Opfer.

Bei einem weiteren Mann versuchte es „Uwe“ mehrmals, sich mit ihm zu treffen. „Neulich wollte er sich wieder treffen. Aber da sagte ich gleich nein und er beleidigte mich. Dann war sein Profil gelöscht.“, so der 34-Jährige gegenüber der Zeitung. Fotos und Namen haben die Unbekannten offenbar von anderen Profilen gestohlen.

Keine Anzeige, keine Strafverfolgung

Gegen die Täter wird bis jetzt noch nicht ermittelt: Keines der Opfer hat Anzeige erstattet. „Bei den geschilderten Vorfällen handelt es sich um Antragsdelikte. Das heißt, wir können erst dann tätig werden, wenn jemand Anzeige erstattet“, so Polizeisprecherin Corinna Koptik. Die Täter spezialisieren sich offenbar auf Männer, die Angst haben, sich öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung zu äußern.

Einzige Spur auf die Identität der Angreifer sind Recherchen des 42-jährigen Opfers: „Ich habe überprüft, ob es ein WhatsApp-Profil zu dieser Handynummer gibt“ Und das gab es: Das WhatsApp-Profilfoto zeigt einen jüngeren Mann im Trikot einer türkischen Fußballmannschaft.