Zu homofreundlich: Kirche bricht mit Pfadfindern

Weil die Pfadfinder die Ehe so definieren, wie es nach argentinischem Recht stimmt

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In Argentinien hat die römisch-katholische Kirche nun mit den Pfadfindern gebrochen – weil sie die Ehe so definieren, wie sie in dem südamerikanischen Land legal ist: Als Verbindung von zwei Personen, unabhängig von ihrem Geschlecht.

Das Recht des Landes gilt für die Kirche offenbar nicht

Die Pfadfinder seien vor Monaten gewarnt worden, erklärte der Erzbischof von Buenos Aires, Mario Poli, in einem Brief, der am Samstag öffentlich gemacht wurde. Die Kirche werde nun eine eigene katholische Jugendbewegung unterstützen, so der 69-Jährige.

Grund für die strenge Reaktion der römisch-katholischen Kirche: In den neuen Lehrbüchern des argentinischen Pfadfinderverbandes ist die Ehe nicht mehr als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert, wie es auch die Kirche sieht. Stattdessen lautet die Formulierung, die Ehe sei ein Bund zwischen zwei Personen. Das entspricht argentinischem Recht. Das Land hat die Ehe im Jahr 2010 für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Schon Papst Franziskus tobte als Erzbischof von Buenos Aires über die Ehe-Öffnung

Zu den größten Kritikern dieser Maßnahme zählte der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio. In einem Brief an die Klöster sprach er von einer „Intrige des Vaters der Lügen, die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll.“ „Vater der Lügen“ ist in der Bibel ein Ausdruck für den Teufel. Worte, die er nach seiner Berufung zu Papst Franziskus nicht mehr wiederholte.

Dafür ist sein Nachfolger Mario Poli nun im Kampf gegen gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten aktiv. Mit der – rechtmäßigen – Formulierung im Pfadfinder-Lehrbuch sei „ein Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt“, so der amtierende Erzbischof.

Die argentinischen Pfadfinder haben eigenen Angaben zufolge rund 75.000 Mitgliedern. Der Kirche zufolge sind 96 Prozent von ihnen katholischen Glaubens.