Ehe-Öffnung „Grundwert“ der CDU: Jens Spahn widerspricht seiner Partei

Seine Partei sei "auf die falsche Art konservativ", sagt der CDU-Spitzenpolitiker

Jens Spahn
Stephan Baumann

Kritik an der eigenen Partei übt das offen schwule CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium und Bundestagsabgeordnete meint in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“, dass das Nein seiner Partei zur Öffnung der Ehe konservativen Grundwerten widerspreche.

„Dass Menschen füreinander einstehen, ist ein Grundwert der Union“, sagt Spahn

„Dass zwei Menschen in der Ehe verbindlich füreinander einstehen, ist ein Grundwert der Union. Solche Werte bieten Orientierung. Und die müssen wir wieder offensiver vertreten“, so der 36-Jährige. Eine Volkspartei wie die CDU müsse sich mit der Gesellschaft wandeln, mahnt Spahn seine eigene Partei.

Er selbst könne sich mit seinem Partner Daniel Funke, dem Berliner Büroleiter der Illustrierten „Bunte“, ein fast klassisches Familienleben vorstellen. „Ich würde gerne Kinder adoptieren“, sagte er in dem „Bild am Sonntag“-Interview: „Ich denke, wir wären ihnen gute, verantwortungsvolle Eltern. Aber leider ist meine eigene Partei da auf eine falsche Art konservativ.“ Die Bevölkerung weiß der Politiker hinter sich: Einer aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge stimmen mehr als 80 Prozent der Deutschen der Aussage zu, die Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern solle erlaubt sein.

In seiner Partei ist Jens Spahn mit dieser Position recht alleine

Jens Spahn, der als möglicher Nachfolger von Angela Merkel gehandelt wird, ist der einzige prominente Vertreter der CDU, der eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare fordert. So hat er im Jänner in einem Interview mit den ARD-„Tagesthemen“ gesagt, dass er die „Ehe für alle“ in Deutschland „noch in diesem Jahrzehnt“ erwarte. Wie er seine Partei davon überzeugen möchte, sagte Spahn damals nicht.

Unterstützung bekam Spahn heute von seinem Parteikollegen Jan-Marco Luczak. „Wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen wollten, „dann sollten wir das anerkennen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Deshalb werbe ich in der CDU für eine Öffnung der Ehe“, zitiert das Online-Portal „queer.de“ Luczak.

Die CDU ist nun gegen die Ehe-Öffnung, weil sie gegen die Öffnung der Adoption ist

Doch die meisten einflussreichen Parteifreunde wie Fraktionschef Volker Kauder sind anderer Meinung. So hat sich Kauder erst Ende Februar bei einem „Kongress christlicher Führungskräfte“ gegen mehr Rechte für schwule und lesbische Paare ausgesprochen. Er sei gegen eine Öffnung der Ehe, weil diese auch eine Öffnung des Adoptionsrechts beinhalten würde. „Ich bin nicht für das volle Adoptionsrecht von homosexuellen Partnerschaften. Daraus mache ich keinen Hehl“, so Kauder.

Jens Spahn ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Jahr 2012 hat er sich öffentlich als schwul geoutet. Im gleichen Jahr forderte er als Mitglied der „Wilden 13“, eines Zusammenschlusses von Unions-Abgeordneten, die steuerrechtliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern mit Ehepartnern. Im Dezember 2014 wurde Spahn ins Präsidium der CDU gewählt. Im Juli 2015 wurde er Staatssekretär im Finanzministerium.