Berlin: Zahl der Verbrechen gegen LGBT um 36 Prozent gestiegen

Die Zahl der Gewaltdelikte gegen sexuelle Minderheiten ist im ersten Halbjahr 2015 sprunghaft gestiegen

Polizei
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Die Zahl der Verbrechen gegen sexuelle Minderheiten in Berlin steigt weiter an. Das geht aus der heute veröffentlichten Kriminalstatistik der Polizei Berlin für das erste Halbjahr 2016 hervor.

Gewaltdelikte gegen LGBT: Von 0 auf 15 in einem Jahr

So gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 in der deutschen Hauptstadt insgesamt 49 Delikte aufgrund der sexuellen Orientierung. Ein Jahr zuvor waren es nur 36 gewesen – das entspricht einem Anstieg um mehr als ein Drittel. Im gesamten Jahr 2015 wurden in Berlin 105 Fälle im Bereich „sexuelle Orientierung“ angezeigt.  Das waren ebenfalls etwa ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Die Zahlen für das gesamte Jahr 2016 werden im Juli erwartet.

Glaubt man der Statistik, ist im Vorjahr vor allem die Schwere der Delikte angestiegen. So fielen im ersten Halbjahr 2015 noch alle registrierten Verbrechen in die Rubrik „sonstige Verbrechen“, waren also vor allem Beschimpfungen oder Bedrohungen. Im ersten Halbjahr 2016 gab es unter allen Delikten aber 15 Gewaltdelikte – also konkrete Angriffe auf Leib und Leben der Opfer.

Auch Beratungsstellen kommen zu ähnlichen Ergebnissen

Zu einem ähnlichen Schluss kam vor einigen Tagen die Berliner Beratungsstelle ReachOut. Sie hat im Jahr 2016 insgesamt 70 Fälle gezählt, in denen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender gewaltsam angegriffen oder massiv bedroht wurden. Im Jahr zuvor registrierte ReachOut nur 43 Fälle von Gewalt gegen sexuelle Minderheiten. Das entspricht einer Zunahme von 62 Prozent.

Und dieser Wert ist auch ein Allzeit-Hoch: Zwischen 2008 und 2014 hat die Beratungsstelle pro Jahr zwischen 9 und 44 Angriffe aufgrund der sexuellen Orientierung gezählt. Die meisten Angriffe geschehen ReachOut zufolge in der Nacht, vor allem in den Bezirken Kreuzberg, Neukölln, Mitte und Tiergarten. Pro Bezirk zählte die Stelle hier zwischen 10 und 12 Gewalttaten. Sechs Angriffe gab es im Bezirk Schöneberg, der als Zentrum der schwulen Szene in Berlin bekannt ist.

„Wir müssen der Realität ins Auge blicken, dass wir auch im liberalen Berlin rechter Gewalt entschlossen entgegen treten müssen“, so der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt von den Grünen. Er sagte, die Zahlen würden „deutliche Reaktionen von Polizei und Justiz für die Täter und unser aller Solidarität für die Opfer“ verlangen, ohne dabei konkret zu werden.