MTV Australia unterbricht Programm für Briefwahl zur Ehe-Öffnung

Noch bis morgen kann man sich registrieren, um an der Abstimmung teilzunehmen

Flagge von Australien
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Es wird ernst mit der Abstimmung über die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in Australien: Noch bis Donnerstag muss man sich registrieren lassen, um an der von der Regierung durchgeführten Briefwahl über das Thema teilnehmen zu können.

Zahlreiche Medien rufen ihre Seher, Hörer und User mit teils ungewöhnlichen Methoden auf, sich zu registrieren. So schalten etwa das Vice Magazine oder der populäre Sender FBi Radio auf ihren Websites eine Seite vor, die zur Eintragung in das Wählerverzeichnis aufruft. Die Registrierung kann auch online erfolgen und dauert nicht länger als zwei Minuten.

Zwölf Stunden Unterbrechung, damit sich junge Menschen für das Referendum registrieren

Der australische Ableger des Musiksenders MTV geht sogar einen Schritt weiter: Unter dem Motto „Enrol for Equality“ – Trage dich für Gleichheit ein – unterbricht der Sender am Donnerstag für zwölf Stunden sein Programm. Von sechs Uhr früh bis sechs Uhr abends gibt es statt Videos und Serien nur die Aufforderung, sich in das Wählerverzeichnis eintragen zu lassen. Zusätzlich gibt es auf der Webseite von MTV Australia auch eine vorgeschaltete Seite, die dazu aufruft.

„Als eine führende Marke im Bereich der Jugendunterhaltung, die Inklusion und gleiche Rechte für alle Australier unterstützt, möchte MTV junge Australier ermutigen, aktiv zu werden und ihren Teil dazu beizutragen, dass ihre Stimmen gehört werden“, erklärt Simon Bates, Chef von MTV Asia Pacific.

Unverbindliche Briefwahl statt Volksabstimmung – obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung für die Ehe-Öffnung ist

Die Briefwahl ist ein umstrittener Kunstgriff des konservativen Premierministers Malcom Turnbull, die Entscheidung über die Öffnung der Ehe vom Parlament abzuwälzen. Damit möchte er Gegner in den eigenen Reihen besänftigen. Da sie sozialdemokratische Opposition ein Referendum verhindert, hat die Regierung die nicht verbindliche Briefwahl beschlossen – für die sie keine Zustimmung des Parlaments benötigt.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen dieses Vorhaben – auch, weil diese Abstimmung umgerechnet bis zu 82 Millionen Euro kostet. Durchgeführt wird sie nicht von der Wahlbehörde, sondern dem Statistikamt. Die Teilnahme ist nicht verpflichtend. Aktuellen Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Australier für die Ehe-Öffnung.

Neben den Rohdaten will das Amt auch eine nach Bevölkerungsmerkmalen korrigierte Version veröffentlichten, wie man es von Erhebungen in der Marktforschung gewohnt ist. Damit könnte am Ende der Erhebung je nach Zählung ein Ja und ein Nein zur Öffnung der Ehe in Australien stehen – und das Parlament so schlau sein wie zuvor.