Öffnung der Ehe auf Kuba: Mariela Castro will Verfassung ändern

Kubas bekannteste Aktivistin für LGBT-Rechte sieht im neuen Präsidenten Miguel Días-Canel einen Verbündeten

Mariela Castro
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In Kuba will Mariela Castro den Kampf für die Öffnung der Ehe fortsetzen – auch, wenn ihr Vater Raúl Mitte April vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten ist. Das hat sie bei der Eröffnung der kubanischen Tage gegen Homophobie und Transphobie klar gemacht.

Öffnung der Ehe soll Teil der geplanten Verfassungsreform werden

So will Castro vorschlagen, das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen in die geplante Reform der kubanischen Verfassung aufzunehmen. „Wir haben neue Vorschläge, die nicht das Beschließen neuer Gesetze zum Ziel haben, sondern darauf abzielen, bestehende Gesetze aus unserer Verfassung anzupassen, sodass ein zügiges Vorankommen zum Beispiel bei Ehen für Menschen des gleichen Geschlechts möglich ist“, erklärte die Aktivistin.

Bis jetzt ist die Ehe in der Verfassung der Karibikinsel als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Widerstand gegen eine Änderung des Ehebegriffs kommt dabei vor allem von der alten Garde der kubanischen Kommunisten.

Der neue Präsident sei bei LGBT-Themen „sensibilisiert“, so Castro

Die 56-Jährige Nichte des Revolutionsführers Fidel Castro ist Abgeordnete der Nationalversammlung und Direktorin des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung (CENESEX). Im neuen kubanischen Präsidenten Miguel Días-Canel sieht Castro einen Verbündeten: „Wir haben das Glück mit ihm jemanden zu haben, der sensibilisiert ist“, sagte sie bei einer Pressekonferenz. In den 1990er-Jahren soll er als Parteisekretär in der Provinz Villa Clara seine schützende Hand über die Schwulenbar „El Mejunje“ gehalten haben.

Mariela Castro setzt sich seit Jahren für die Rechte der LGBT-Community in Kuba ein. Vor zehn Jahren ermutigte sie Schwule, zum ersten Mal in Havanna eine Regenbogenflagge zu hissen.

Seit Jahren setzt sich Mariela Castro für die Rechte sexueller Minderheiten in Kuba ein

Im Jahr 2014 schrieb sie Geschichte, als sie als erste Abgeordnete in der Geschichte des kommunistischen Kuba gegen ein Gesetz stimmte: Das geplante Arbeitsgesetz kümmerte sich ihrer Meinung nach zu wenig um den Schutz sexueller Minderheiten am Arbeitsplatz. Ein Jahr später organisierte sie in der Hauptstadt Havanna symbolische Hochzeiten gleichgeschlechtlicher Paare.

Mit Mariela Castro hat die Verbesserung der Lage für sexuelle Minderheiten in Kuba ein Gesicht bekommen: Nach der kommunistischen Revolution 1959 wurden Lesben und Schwule als „Abweichler“ verfolgt und in Arbeitslagern interniert. Heute macht sich die Regierung offiziell gegen Diskriminierung stark.