Serbische Ministerpräsidentin liest homophobem Kollegen die Leviten

Ana Brnabić, offen lesbische Regierungschefin, spricht Klartext

Ana Brnabic
NALED

Unerwartet deutliche Worte gegen einen homophoben Kollegen hat Ana Brnabić, die erste offen lesbische Premierministerin Serbiens, gefunden.

„Es ist nicht in Ordnung, wenn ein Kind zwei Mütter oder zwei Väter hat“, schreibt der Minister

So hat sich Nenad Popović von der nationalkonservativen Demokratischen Partei, ein Minister ohne eigenes Portefeuille, ein einem Tweet gegen homosexuelle Paare als Eltern ausgesprochen. „Wir kämpfen als Staat dafür, dass die Geburtenrate ansteigt, aber gleichzeitig importieren wir schwule Bilderbücher aus Kroatien! Das muss sofort aufhören! Wir müssen denen widerstehen, die sagen, dass es in Ordnung ist, wenn man sagt ‚Roko hat zwei Mütter und Ana zwei Väter‘“, twitterte der Politiker.

Dafür gab es für Popović einen Rüffel von der Chefin: „Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass Roko, Stefan, Milos und alle anderen Kinder in Serbien bleiben, anstatt sich darum zu sorgen, wer ihre Eltern sind“, zitiert der Radiosender B92 die Premierministerin. Sie kündigte an, mit ihm unter vier Augen zu reden.

„Keine Regierung der Welt kann entscheiden, ob Homosexuelle Kinder haben sollen“, antwortet Brnabić

„Ich glaube, er hat in seiner Stellungnahme jedes Thema vermischt“, so Brnabić weiter: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Geburtenrate und, ob jemand schwul oder lesbisch wird. Auch Homosexuelle haben Fortpflanzungsorgane und niemand, keine Regierung der Welt, kann entscheiden, ob sie Kinder haben sollen“, antwortet sie ihrem Kollegen ungewohnt scharf.

Brnabić ist die erste Frau und die erste Homosexuelle an der Spitze Serbiens – einem Land, in dem jahrelang aus Sicherheitsgründen keine Lesben- und Schwulenparade stattfinden konnte. Das hat sich nun geändert: Letztes Jahr marschierte Brnabić als erste Regierungschefin an der Spitze des Belgrade Pride und setzte so ein deutliches Zeichen ins eigene Land und in die ganze Welt.

Doch Vorbehalte sind in der Gesellschaft und der Kirche nach wie vor vorhanden: So wurde Homosexualität in Serbien bis 2008 als mentale Störung eingestuft. Das Verbot für gleichgeschlechtliche Paare zu heiraten ist seit 2006 in der Verfassung verankert.