Firmunterricht in Gastein: Mörder, Kinderschänder und Homosexuelle sind die schlimmsten Sünder

Bürgermeister ist schockiert, der zuständige Erzbischof reagiert ausweichend

Priester
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Für Aufregung sorgen die Unterlagen für den römisch-katholischen Firmunterricht in Bad Gastein. Den Teenagern wird dort erklärt, dass homosexuelle Handlungen gleich schlimm wie Mord seien, berichtet der Standard. Verfasst wurden die Texte vom für die Pfarrgemeinschaft Gasteinertal zuständigen Pfarrer Rainer Hangler.

Die „Sünde Sodoms“ fasst zusammen, was nicht zusammen gehört

So werden in den Unterlagen „vier Sünden, die zum Himmel schreien“ erklärt. Nach dem ersten Punkt, „Vorsätzlicher Mord“, wird als zweiter Punkt „die Sünde Sodoms“ genannt: „Sodomie, Pädophilie, homosexuelle Akte“. Die beiden weiteren Sünden, die „zum Himmel schreien“ sind demnach „Unterdrückung der Armen“ und „Arbeiter um ihren Lohn bringen“.

Dass Homosexualität mit Sodomie und Pädophilie gleichgestellt wird und fast so schlimm wie Mord sein soll, verstörte Eltern von Firmlingen in Gastein. Um nicht selbst beim als konservativ geltenden Pfarrer vorsprechen zu müssen, wandten sie sich an den Bürgermeister von Bad Gastein, Gerhard Steinbauer. Auch der ÖVP-Politiker war dem Standard zufolge „einigermaßen schockiert“.

Der Erzbischof gab dem empörten Bürgermeister nur eine sehr pampige Antwort

Er beschwerte sich beim Salzburger Erzbischof Franz Lackner über die Firmunterlagen: Der Bürgermeister wollte wissen, ob diese „Aussagen im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß sind“ – doch eine Antwort darauf bekam er aus Salzburg nicht. Stattdessen empfahl der Erzbischof dem Bürgermeister, den Fall doch direkt mit dem Pfarrer zu besprechen. Dieser sei „theologisch qualifiziert“.

Das wollte Steinbauer nicht auf sich sitzen lassen. Er schrieb wieder einen Brief – diesmal an den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn, dem Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz. Eine Antwort bekam er vom Kardinal nicht – dafür einen weiteren Brief von dessen Salzburger Kollegen: Lackner erklärt dem Bürgermeister darin, das Raster „zeitgemäß versus nichtzeitgemäß“ sei für das Christentum nicht relevant.

Es geht ums „pastorale Fingerspitzengefühl“

Die Herausforderung sei es, die „christliche Idealgestalt gelebter Sexualität klar zu benennen, aber dennoch sich an jeweiligen anders lebenden Personengruppen nicht durch Verurteilung und Diskriminierung schuldig zu machen“. Hier sei „pastorales Fingerspitzengefühl“ erforderlich.

Die Einschätzung, ob der Gasteiner Pfarrer über dieses „pastorale Fingerspitzengefühl“ verfügt, wenn er solche Texte für Firmlinge schreibt, bleibt Lackner hingegen schuldig. Dass er keine klare Antwort bekommen habe, enttäuscht den Bürgermeister – auch weil er geglaubt habe, Lackner sei ein eher aufgeschlossener Kirchenmann.

Der betroffene Priester kann die Aufregung nicht verstehen

Gegenüber dem Standard gibt sich Pfarrer Hangler überrascht. Niemand habe mit ihm gesprochen, die Unterlagen seien nur „Thesenpapiere““, um eine kritische Diskussion mit den Firmlingen zu starten. Homophobe Absichten weist der Pfarrer zurück – er betont, „hochprogressiv an die Sache“ herangegangen zu sein.

Doch die Diskussion darüber fand nicht statt: „Wir sind nur bis zum fünften Gebot gekommen“, erklärt der Pfarrer. Womit die „vier himmelschreienden Sünden“ weiter unkommentiert in den Unterlagen der Firmlinge stehen.