„König und König“: Ja zur Liebe statt Skandal

Angekündigte Skandale finden nicht statt – so auch bei der Premiere des Kindertheaterstückes „König und König“ im „Dschungel Wien“: Kronprinz Stern findet seine Liebe, und als er sie seiner Mutter vorstellt, bleibt ihr zunächst die Spucke weg: „Aber das ist doch…“, beginnt sie, als sie bemerkt, dass der Thronfolger sein Herz soeben nicht an die vortanzende Prinzessin, sondern an deren Bruder verschenkt. „… die Liebe!“, setzt die tolerante Mama jedoch seufzend fort und erteilt der Verbindung der beiden jungen Männer ihren Segen. Dann geht es ins Finale: „Die Liebe sucht nicht nach Ziel und Sinn / Dort wo sie will – da fällt sie einfach hin.“

„König und König“ ist eine kurzweilige Revue, die vom Verein Thearte produziert und von Barbara Loibnegger inszeniert wurde. Vorlage war das gleichnamige Bilderbuch von Linda de Haan und Stern Nijland, das in England als empfohlene Pflichtschullektüre gilt. Das Premierenpublikum spendet herzlichen Beifall, auch wenn es mehr aus interessierten Erwachsenen als aus der Zielgruppe des Stückes – „Menschen ab sechs Jahren“ – bestand.

Warum die FPÖ in zwei Presseaussendungen die Zerstörung der Familie durch das Stück befürchtet oder „Krone“-Kolumnist Michael Jeannee im Vorfeld den Geisteszustand von Kulturstadrat Andreas Maillath-Pokorny bezweifelt hat, war jedoch weit und breit nicht erkennbar. Denn dieses fantasievolle, charmant gemachte Plädoyer für eine vorurteilslose Liebe kann Kindern bedenkenlos empfohlen werden.