München: Erster schwuler Maibaum der Welt

Die Lesben und Schwulen im Münchner Glockenbachviertel schlagen ein neues Kapitel bayerischer Brauchtumspflege auf: Sie stellen den ersten „schwulen“ Maibaum der Welt auf.

Eigentlich sollte der Maibaum auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz nach den Wünschen der Rosa Liste München (RoLi) schon vor zwei Jahren aufgestellt werden. Doch das Projekt ist damals im Sande verlaufen. Heuer nun könnte der Maibaum-Traum Wirklichkeit werden. Das schwule Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub e.V.“ in der Müllerstraße hat sich bereit erklärt, die Organisation des Projekts zu übernehmen. Gestiftet wird der neue Glockenbach-Maibaum vom Wirt der „Deutschen Eiche“, einem Hotel mit der bekanntesten Schwulensauna in München, in der auch Rainer Werner Fassbinder und Freddy Mercury zu finden waren.

Die Glockenbach-Prangstange soll nun ein Identifikationspunkt für die Integration und Vielfalt der Lebensstile in diesem Stadtviertel sein. Der zweite Stadtbezirk gilt als Hochburg und „Bermudadreieck“ der Münchner Schwulen und Lesben: Bei der Regionalwahl im März konnte die RoLi im Viertel ihr Ergebnis von 2002 mit damals 11 Prozent um 1,9 Prozent auf nun 12,9 Prozent steigern und wird mit Alexander Miklosy aller Voraussicht nach erneut den einzigen schwulen Stadtteil-Bürgermeister in München stellen.

Der Maibaum wird nicht fix und fertig aufgestellt, vielmehr sollen bis 2011 jedes Jahr neue Bildmotive dazukommen. Für schwule Themen sind zwei Quersprossen vorgesehen, die anderen drehen sich um Themen wie Brauchtum, Kunst, Jugend oder Ausländer. Die ersten beiden Bildmotive des Maibaums werden heuer durch den Künstler Robert C. Rore gestaltet. Auch die Sprossen zum Thema Lesben und Schwule des Künstlers Michael Borio sind ab Mai zu sehen.