Kirgisistan: Polizei schüchtert Aktivisten ein

Auch im zentralasiatischen Kirgisistan gibt es staatliche Gewalt gegen Lesben und Schwule. Wie die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) berichtet, hat die Polizei in der Hauptstadt Bischkek eine Razzia bei „Labrys“ durchgeführt, einer Organisation, die sich in Kirgisistan um die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen kümmert.

Polizeibeamte sind am Abend des 8. April in das Haus eingedrungen, in dem sich „Labrys“ befindet, als die Aktivisten ein gemeinsames Abendessen mit anderen lokalen und internationalen Lesben- und Schwulenorganisationen abhielten. Die Polizei hat gedroht, jeden zu verhaften, der sich nicht ausweisen will, und begonnen, in privaten Unterlagen des Sozialzentrums zu stöbern, das im gleichen Haus untergebracht ist. Es bietet Frauen und Transgender-Personen, die Opfer von Gewalt wurden, eine sichere Zuflucht.

Durch die internationalen Gäste beim Abendessen wurden unter anderem auch Vertreter der Niederländischen Lesben- und Schwulenorganisationen COC sowie von Doc-M aus Moldawien Zeugen des Übergriffes. „Es ist ein Skandal, dass die Polizei einfach ohne Grund in ein Haus eindringen kann, Leute bedroht und private Unterlagen durchsucht“, empört sich Scott Long, der bei HRW für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen verantwortlich ist. „Die Polizei sollte Organisationen, die Menschenrechte verteidigen, schützen, und nicht ihre Macht missbrauchen, um sie zu bedrängen.“, so Long.

Es ist bereits das zweite Mal, das die Polizei ohne Vorwarnung bei Labrys eindringt. Bereits im Juni 2006 sind Polizisten in die Räume eingedrungen und haben gedroht, jeden in den Räumen zu vergewaltigen. Labrys wurde 2004 gegründet und im Februar 2006 als Organisation anerkannt. Das Sozialzentrum wurde erst diesen Februar eröffnet und soll ein sicherer Platz zum Treffen und Diskutieren sein, genauso wie ein Platz, an dem Opfer von Gewalt Schutz finden können.

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