Polen: Blutspendeverbot für Lesben und Schwule?

Das polnische Nationale Blut-Zentrum (NCK) will Lesben und Schwulen in Zukunft verbieten, Blut zu spenden. Das berichtet die Zeitung „Dziennik“. Grund dafür ist laut Joanna Wojewoda, Doktorin beim NCK in Warschau, dass der HIV-Virus in manchen Fällen erst ein halbes Jahr nach der Infizierung nachgewiesen werden könne.

Politiker unterstützen die Forderung des Nationalen Blut-Zentrums. „Auch die Homosexuellen wissen, dass sie eine Gruppe mit einem erhöhten AIDS-Risiko sind“, sagte Jolanta Szczypinska, Abgeordnete der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gegenüber „Dziennik“. Sie sieht darin keine Diskriminierung. „Ich verstehe, dass diese Menschen gute Absichten haben, wenn sie Blut spenden“, so Skrzypinska.

Die Diskussion um Blutspenden von Homosexuellen begann vor einigen Tagen. Ein Student aus Torun hat sich beschwert, dass ihn die örtliche Abteilung des Studentenverbands NZS nicht an ihrer Blutspende-Aktion teilnehmen ließ. Mehrere schwule Männer berichteten daraufhin, dass viele Ärzte beim Blutspenden nach der sexuellen Orientierung fragten, um Schwule auszuschließen.

Eine Praxis, die Schwulenverbände kritisierten: „Es gibt keine glaubhaften Studien, die zeigen, dass homosexuelle Beziehungen weniger dauerhaft sind als heterosexuelle“, erklärte Robert Biedro, Leiter einer Kampagne gegen Homophobie. Lesben und Schwule sind deshalb keine Gruppe mit einem erhöhten HIV-Risiko. Biedron erklärte gegenüber „Dziennik“, dass er bei einem Verbot für Homosexuelle in Zukunft beim Blutspenden lügen werde. „Ich werde mich dafür entscheiden, eher jemandem das Lebens zu retten als ein schlechtes Gesetz zu befolgen.“