Syphilis-Epidemie in der Grazer Szene

Immer mehr schwule Männer in der Steiermark infizieren sich mit Syphilis. Das meldet der „Grazer“ in seiner aktuellen Ausgabe.

„Schätzungsweise hat ein Drittel der Homosexuellen bereits eine Syphilis-Infektion durchlaufen“, erklärt Andreas Kapper, Leiter der HIV-Spezialambulanz am LKH Graz West.

Peter Komericki, Oberarzt der Ambulanz für Geschlechtskrankheiten und HIV auf der Universitätsklinik für Dermatologie, ergänzt: „Wir haben allein hier auf der Ambulanz jede Woche mindestens einen Syphilis-Patienten. Im Vorjahr wurden insgesamt 57 Fälle verbucht.“ Davon waren 53 Männer und vier Frauen. „Womit wir beim nächsten Problem wären. An die 90 Prozent dieser Männer sind Homosexuelle. Und da ist die Sicherheitsmoral zurzeit leider im Keller. Ich habe Patienten, die sich innerhalb kürzester Zeit zwei- bis dreimal mit Syphilis infizieren.“, so Komericki weiter im „Grazer“.

Besonders bedenklich: Bei jedem dritten Syphilis-Patienten diagnostizieren die Ärzte auch eine HIV-Infektion. Und auch diese Zahl explodiert: So wurden im Vorjahr in der Steiermark 76 HIV-Neuinfektionen registriert – mehr als doppelt so viele wie 2006. Heuer lag die Zahl Ende Oktober bereits bei 71.

Über die Ursachen sind sich die Experten einig: AIDS hat seinen Schrecken verloren, seit es gute HIV-Therapiemöglichkeiten gibt. Die Bereitschaft für Safer Sex sinkt deshalb innerhalb der Community. Neue Möglichkeiten, schnellen Sex zu haben, wirken dabei wie ein Verstärker: Infizierte geben ihre Krankheit schneller und an mehr Sexualpartner weiter.