Amazon versteckt lesbischwule Bücher

Beim Online-Buchhändler Amazon sind übers Wochenende insagesamt 57.310 Bücher mit Inhalten zum Thema Homosexualität aus den Rankings und der Suche verschwunden. Nach heftiger Kritik aus der Community reagierte Amazon schließlich mit einer Mitteilung, es habe sich um einen „internen Systemfehler“ gehandelt, der mittlerweiler behoben sei.

Unter den betroffenen Werken war Annie Proulx oscarverfilmtes Buch „Brokeback Mountain“ genauso wie Titel von E. M. Forster und Gore Vidal sowie der Homosexuellen-Roman „Transgressions“ und „Unfriendly Fire“, ein kürzlich erschienenes Buch über die Behandlung Homosexueller beim US-Militär.

Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet, hatte die Taschenbuch-Version der Autobiografie von Stephen Fry, die von als „schwul“ eingeordnet wurde keinen Verkaufsrang, die unter „Memoiren“ eingeordnete Hardcover-Ausgabe aber sehr wohl.

„Das ist ein beschämender und ungeschickter Katalog-Fehler für ein Unternehmen, das Wert darauf legt, eine größtmögliche Auswahl zu bieten“, schreibt Andrew Herdener, Kommunikationsdirektor bei Amazon, in einer E-Mail-Stellungnahme. Konkrete Anfragen, zum Beispiel des Nachrichtensenders CNN, hat Amazon noch nicht beantwortet.

Der Fehler hat auch die deutschsprachige Version von Amazon betroffen: „Er beeinträchtigte die Darstellung des Verkaufsrangs von Titeln, die zudem nicht mehr in den Ergebnislisten der Amazon-Produktsuche auftauchten“, ergänzt Christine Höger, Sprecherin Amazon Deutschland, auf Nachfrage der Nachrichtenplattform „pressetext“.

Über die wahren Gründe des „Systemfehlers“ wird heftig spekuliert – zuletzt brüstete sich ein Hacker damit, die Titel aus den Amazon-Listen entfernt zu haben – und das mit nur zehn Zeilen Code geschafft zu haben. Amazon weist alle Meldungen, gehackt worden zu sein, zurück. Für viele Titel sei der Fehler bereits behoben worden und Amazon sei dabei, den Fehler auch für die verbleibenden Titel schnellstmöglich zu korrigieren. „Darüber hinaus beabsichtigen wir die Einführung neuer Maßnahmen, um derartigen Fehlern in der Zukunft noch stärker vorzubeugen“, gibt sich Höger für die Zukunft optimistisch.

Schwule Autoren zweifeln allerdings daran, dass das Verschwinden der schwullesbischen Literatur aus dem Amazon-Ranking ein Zufall war. Craig Seymor, Autor von „All I Could Bare“, erklärt in seinem Blog, dass der Verkaufsrang seines Buches heuer für ein Monat ausgesetzt wurde, weil es als „Produkt für Erwachsene“ klassifiziert wurde.

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