Schwuler Mann war 21 Jahre unschuldig im Gefängnis

Ein schwuler Erzieher saß nach einem Komplott homophobe Eltern wahrscheinlich 21 Jahre unschuldig im Gefängnis. Das berichtet das Infoportal QueerNews unter Berufung auf amerikanische Fachmedien.

Der heute 43 Jahre alte Berard Baran aus Massachusetts war in den 1980er Jahren Erzieher in einem Kindertagesheim. Ein Elternpaar wollte aber keinen schwulen Mann als Erzieher und beschuldigte ihn des Kindesmissbrauchs. Gemeinsam mit anderen Eltern zeigten sie den damals 19-Jährigen an. Vor Gericht hatte der junge Mann keine Chance: Richter und Geschworene waren voreingenommen, der Anwalt, den Barans Mutter aus dem Telefonbuch ausgesucht hatte, überfordert.

Dieser übersah unzählige Widerspüche und Verfahrensfehler. So wurden drei- und vierjährige Kinder manipulativ befragt und die Tonbänder mit ihren Aussagen für die Gerichtsverhandlung sorgfältig zusammengeschnitten. Nicht einmal der Strafverteidiger konnte sich die Originalbänder anhören. Barans Homosexualität wurde im Verfahren zum Thema gemacht, obwohl unter den angeblich missbrauchten Kindern auch Mädchen waren. Und obwohl sich während des Verfahrens herausstellte, dass eines der Kinder von jemand anderem missbraucht worden war, wurden diese Aussagen nicht näher geprüft.

Nach diesem Verfahren wurde Baran wegen Unzucht mit Unmündigen und Kindesmissbrauch im Jahr 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis war er Misshandlungen seiner Mitgefangenen ausgesetzt. Im Jahr 2006 stellte Baran einen Antrag auf Freilassung. Ein Richter sah sich den Fall genauer an, entdeckte die Fehler der Verteidigung und ließ Baran gegen Kaution frei. Er galt aber weiterhin als Sexualverbrecher und musste die entsprechenden Einschränkungen und Überwachungsmaßnahmen einhalten.

Das Berufungsgericht hat letzte Woche das Urteil von damals aufgehoben. Neben der Inkompetenz der Strafverteidigers bemängelte es auch die zahlreichen Verfahrensfehler des gegen Homosexuelle voreingenommenen Gerichts. Wenn der Staatsanwalt darauf verzichtet, gegen die Entscheidung zu berufen, ist Baran nach 24 Jahren ein freier Mann.