Regenbogenparade 2009: Mehr Wagen, weniger Besucher

Ein Erfolg war auch heuer wieder die Regenbogenparade, die Wiener Version des CSD. Allerdings gelang der HOSI Wien als Veranstalter der Spagat zwischen Kommerz und politischer Veranstaltung stellenweise nicht ganz. Insgesamt feierten rund 100.000 Menschen am Samstag in der Wiener Innenstadt – rund 20.000 weniger als letztes Jahr.

Punkt 14 Uhr startete der Zug beim Stadtpark – mit dem ersten Wagen feiert die HOSI Wien ihren Geburtstag und freut sich, dass sie „seit dreißig Jahren ein Schlager“ ist. Passenderweise war der erste Schlager des HOSI-Trucks „Fiesta Mexicana“ von Rex Gildo. Der Schlagerstar konnte sich nie outen und begang 1999 Selbstmord.

Die anderen Wagen waren heuer ungewohnt zurückhaltend. Da es weder einen „Heaven“- noch einen LMC-Truck gab, war nackte Männerhaut trotz tropischer Temperaturen verhältnismäßig selten zu sehen. Einziger Lichtblick in diesem Bereich: Der „Loft“-Truck. Das neue Grazer Szenelokal hat einen Gemeinschaftstruck der dortigen Lesben- und Schwulenszene aufgestellt. Dem entsprechend gut war auch die Stimmung auf dem Wagen. Aus den anderen Bundesländern gab es auch heuer wieder keinen Wagen – die dortigen Lesben- und Schwulenvereinigungen nehmen wegen Meinungsverschiedenheiten mit der HOSI Wien seit Jahren nicht an der Parade teil.

Für Irritationen sorgte der Wagen eines eindeutig nicht homosexuellen Erotik-Clubs – dass knackige Hetero-Mädels in knapper Kleidung das lesbische Publikum anheizen sollte, war in diesem Fall auszuschließen. Auch ein Clubbing-Veranstalter, dessen Szeneaktivitäten sich auf die Teilnahme bei der Regenbogenparade beschränken, befriedigte durch die tanzenden Mädchen auf seinem Wagen wohl eher die Blicke der heterosexuellen Zuschauer. Hier hat die HOSI Wien Handlungsbedarf, will sie ihre politische Botschaft glaubhaft vermitteln.

Auf dem Schwarzenbergplatz angekommen feierten die Paradenteilnehmer ausgelassen weiter. Valerie, Lutricia McNeal und andere sorgten für gute Stimmung, Politikerinnen wie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ und die Grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek machten sich dafür stark, dass Lesben und Schwule auch in Österreich gleich viel Recht für gleich viel Liebe bekommen. Heinisch-Hoschek war sich sicher, „dass dies die letzte Regenbogenparade ist, bei der es noch kein Gesetz für eine Lebenspartnerschaft gibt.“

Beendet wurde die Parade um 22.00 Uhr mit dem Donauwalzer – wie es sich für eine Großveranstaltung in der Donaumetropole gehört.

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