Türkei sperrt lesbischwule Datingportale

Während in Deutschland Familienministerin Ursula von der Leyen von der konservativen CDU Netzsperren als wirksames Mittel gegen Kinderpornografie lobt, zeigt die Türkei, wo eine Zensur des Internets enden kann: Das türkische Telekommunikationsministerium hat den Zugang zu zwei beliebten lesbischwulen Dating-Seiten gesperrt – wegen Pornografie. Dabei sind die Inhalte harmloser als vieles, das auf österreichischen oder deutschen Portalen zu sehen ist.

Wie die englische Online-Ausgabe der Tageszeitung „Hürriyet“ berichtet, mussten die Provider die Seiten hadiGAYri und GaBiLe für Zugriffe aus der Türkei sperren. Nach Angaben einer anderen Nachrichtenseite wurde auch der Zugriff auf das Dating-Portal shemalenet.com gesperrt. User bekommen jetzt statt der Seite ein Stoppschild zu sehen, das darauf hinweist, dass die jeweilige Seite gegen das Gesetz verstoßen habe – als mögliche Gründe werden, unter anderem, Anleitung zum Selbstmord, Kindesmissbrauch, Nutzung von Drogen und anderen Stoffen, Obszönität und Prostitution genannt.

Laut „Hürriyet“ haben die beiden Portale gemeinsam in der Türkei mehr als 200.000 Nutzer, fast drei Mal so viele als GayRomeo in dieser Region. In einer Stellungnahme beschweren sich die Betreiber von GaBiLe, dass die Seite durch eine einfache Entscheidung von Beamten gesperrt werden konnte. Die Sperre sei „das Ergebnis einer homophoben Mentalität“. Auf der Seite gebe es keinen strafrechtlich problematischen oder unmoralischen Inhalt. Mit den Betreibern der Seite habe sich vor deren Sperre niemand aus dem türkischen Telekommunikationsministerium in Verbindung gesetzt.

Die Betreiber von GaBiLe verweisen darauf, dass auch den türkischen Lesben-, Schwulen und Transgenderorganisationen Lambda Istanbul und Kaos GL wegen „Unmoral“ der Prozess gemacht wurde. „Diese Vorgehensweise war nicht erfolgreich und das Gericht hat einen Prozess abgelehnt, daher wollen sie jetzt Social Networking Sites verbannen“, so die Betreiber von GaBiLe. „Wir bedauern und verurteilen diese Aktion, die sich gegen unsere Gedanken, unseren Frieden und Lebensstil, unsere sexuelle Orientierung und unsere Freiheiten richtet und die öffentliche Meinung an den Rand einer Revolte bringt“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Aus Österreich sind die Seiten nach wie vor problemlos zu erreichen.