Bedroht Jack Wolfskin die Bärenflagge?

Der Kampf einer deutschen Firma für Outdoor-Bekleidung um ihre Markenrechte wird zu einem immer größeren PR-Desaster.

Jetzt verscherzt es sich Jack Wolfskin auch mit der Bären-Community.

Im Internet sorgen die aktuellen Abmahn-Forderungen der Firma schon länger für Kopfschütteln: Die Firma mit dem Wolfspratzen-Logo hat eine Reihe kleiner Online-Versandhändler abgemahnt, weil sie Produkten mit Katzen-, Hunde- oder sonstigen Pfoten im Sortiment haben. Unter anderem hatte das Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro hat, auch Kleinhändler abgemahnt, die selbstgemachte Handarbeiten mit Tatzen- oder Pfotenabdrücken verkaufen.

Die Betroffenen bestritten eine Ähnlichkeit der beanstandeten Produkte mit der Wolfskin-Tatze. Die von dem Unternehmen beauftragten Rechtsanwälte forderten pro Fall knapp 1000 Euro Gebühren. Das hatte in Blogs und auf Twitter Empörung ausgelöst, das Unternehmen ruderte in diesem Fall zurück: „Anwaltliche Hilfe soll in Zukunft erst ein letzter Schritt sein“, hieß es in einer Stellungnahme

Doch das scheint nur ein Lippenbekenntnis gewesen zu sein. Denn jetzt sind Bärenfreunde zum Opfer des Outdoor-Ausstatters geworden: Wie das Online-Portal „queer.de“ berichtet, musste der Onlineshop „bearwear.nl“ den Versand innerhalb Europas einstellen, weil auf seinen Bekleidungsstücken eine Bärentatze abgebildet ist.

„Irgend so ein ganz toller Rucksack-Hersteller behauptet, ihm würde das Tatzen-Design gehören. Auch wenn unseres völlig anders aussieht“, zitiert „queer.de“ die Website.

So hat die Wolfskin-Pranke vier, die Bären-Tatze aber fünf Fingerpranken. Der kleine Anbieter bittet „Bären mit einem Background in Copyright-Fragen“ darum, ihm unter [email protected] zu helfen. Wegen des Rechtsstreits will sich Bearwear.nl aber nicht zu dem Streit äußern.

Die Redaktion von GGG.at hat die Presseabteilung von Jack Wolfskin um eine Stellungnahme gebeten, bis jetzt allerdings noch keine erhalten. „Leider ist es notwendig, auch verhältnismäßig kleine Anbieter mit einer Abmahnung und entsprechender Kostenerstattung zu kontaktieren“, schreibt allerdings das Unternehmen in einer Pressemitteilung. „Auch derartige Kleinanbieter sind, wenn sie sich mit ihren Produkten in den geschäftlichen Verkehr begeben, dazu verpflichtet, vor Bewerbung und Verkauf dieser Produkte die Verletzung von Markenrechten Dritter zu überprüfen bzw. auszuschließen.“

Wenn Jack Wolfskin seine Rechte weiter so konsequent einfordert, könnte das auch das Ende für die offizielle Bären-Flagge bedeuten. Denn auch die offizielle von der Brotherhood of Bears gestaltete Bären-Flagge enthält diese Tatze, die Jack Wolfskin bei „bearwear.nl“ beanstandet hat.

Bereits in der Vergangenheit ist Jack Wolfskin mit voller Härte gegen angebliche Nachahmer vorgegangen. So erwirkte das Unternehmen 2002 vor dem Oberlandesgericht Hamburg einen Beschluss, der es der Berliner „tageszeitung“ (taz) verbietet, Merchandising-Produkte aus dem Outdoor-Bereich mit der „taz“-Tatze zu bedrucken oder zu besticken, obwohl diese bereits zwei Jahre vor der Gründung des Sportartikelherstellers entworfen wurde. Denn die Berliner haben sich nicht die Markenrechte gesichert. Das Gericht untersagte es der „taz“ sogar, die Tatze abzudrucken, wenn der Schriftzug „die tageszeitung“ gleich neben dem Pfotenabdruck prangt.

Links zum Thema