Österreichische Politiker haben Angst vor Coming-Out

Während Deutschland seinen schwulen Vizekanzler feiert, gibt es im österreichischen Nationalrat nach dem Wechsel der Grünen Ulrike Lunacek nicht einmal einen offen homosexuellen Abgeordneten. Daniela Kittner, anerkannte Innenpolitikredakteurin der Tageszeitung „Kurier“ hat die Gründe dafür recherchiert. Ihre Gesprächspartner bleiben in dem Artikel verständlicherweise anonym.

Zunächst gibt es ein Argument, warum Politiker aller sexueller Orientierungen nicht gerne über ihr Leben abseits der Politik reden. „Wenn ich einmal mein Privatleben öffentlich mache, kann ich nicht mehr zurück. Dann wird jeder Partnerwechsel breitgetreten – siehe Karl-Heinz Grasser und seine Frauen-Geschichten“, beichtet ein Abgeordneter Kittner.

Dass die Homosexualität eines Abgeordneten in der Öffentlichkeit nicht zum Thema wird, hat viele Gründe. In konservativen Parteien wie der ÖVP schadet ein öffentliches Outing der Karriere. Als offenes Geheimnis ist Homosexualität aber auch bei der Volkspartei kein großes Problem.

Außerdem oute man sich nicht nur selbst, sondern auch sein Umfeld – was vor allem außerhalb der Großstädte ein Problem ist: „Die Familie muss dann damit leben, dass die Homosexualität des Sohns bekannt ist. Jeder Mann, mit dem man mich sieht, würde verdächtigt, schwul zu sein“, sagt ein Abgeordneter der Journalistin.

Auch fürchten schwule und lesbische Politiker, nach einem öffentlichen Coming Out nur mehr auf ihre sexuelle Orientierung reduziert zu werden und so mit ihrer täglichen politischen Arbeit kein Gehör mehr zu finden.

Einmal hat einem Gesprächspartner von Kittner seine Homosexualität aber genutzt: Während einer parteiinternen Intrige hat ihn eine Frau der sexuellen Belästigung beschuldigt. Bei der Gegenüberstellung vor Zeugen sagte er: „Ist dir entgangen, dass ich mich nur für Männer interessiere?“ Erbleicht gab sie zu, dass sie sich anstiften ließ.

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