Portugal beschließt heute Homo-Ehe

In Portugal stimmt heute das Parlament über die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule ab. Die meisten Chancen, beschlossen zu werden, hat ein Entwurf der sozialistischen Regierung, die Ehe zu öffnen, die Adoption aber weiterhin heterosexuellen Paaren vorzubehalten.

Bereits jetzt können Lesben und Schwule in Portugal eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Die Debatte über die Neuregelung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften war für ein katholisch geprägtes Land erstaunlich nüchtern: Die katholische Kirche nahm dazu keine Stellung, diese Frage falle in den „Zuständigkeitsbereich des Parlaments“, so der Kardinal von Lissabon, Jose Policarpo. Auch die rechte Opposition verzichtete in der Debatte darauf, Homosexualität zu verurteilen – dem Gesetzesentwurf will sie aber trotzdem nicht zustimmen.

Mit der Demokratie hätten die Portugiesen eine „fundamentale“ Einsicht gemacht, dies sei „die Beachtung der individuellen Freiheiten“, erklärte der Sozialist Miguel Vale de Almeida, der erste offen schwule Parlamentarier Portugals. Er koordiniert die Ehe-Öffnung für seine Partei und betont, dass es heute in der politischen Elite Portugals eine Mehrheit für die Homo-Ehe gebe.

In der Bevölkerung werden die neuen Rechte für Lesben und Schwule aber noch nicht angenommen: Einer Umfrage vom November 2009 zufolge sind 45,5 Prozent der Portugiesen für die Homo-Ehe, 49,5 Prozent aber dagegen. Gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare waren 68,4 Prozent der Befragten. Eine Bürgerinitiative sammelte sogar 90.000 Unterschriften, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Allerdings muss laut Verfassung das Parlament ein solches Referendum behandeln, aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber der Antrag mit der Mehrheit der Linken zurückgewiesen.