Großbritannien will Homo-Ehen in der Kirche erlauben

Großbritannien gleicht die Eingetragene Partnerschaft immer näher an die Ehe an: Am Dienstag hat das House of Lords mit 95 zu 21 Stimmen einen Zusatzartikel zum Gleichstellungsgesetz beschlossen, mit dem Eingetragene Partnerschaften auch in der Kirche geschlossen werden dürfen. Um in Kraft zu treten, muss das Gesetz noch vom Unterhaus beschlossen werden – hier wird aber mit keinen Schwierigkeiten oder wesentlichen Abänderungen gerechnet.

Die Initiative für das Gesetz kommt vom ersten offen schwulen Lord, Waheed Alli. In einem Brief an die „Times“ bekam er dafür auch Unterstützung von zwei Kirchenführern, dem Bishop of Salisbury und dem Dean of Southwark.

Rechtsgültige Ehen können in Großbritannien sowohl am Standesamt als auch von einem Geistlichen geschlossen werden. Die im Jahr 2004 eingeführten Eingetragenen Partnerschaften hingegen durften nur auf dem Standesamt geschlossen werden. Diese Einschränkung wird nun aufgehoben.

Wenn die Glaubensgemeinschaft die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften anbietet, darf sie dies auch rechtsgültig tun. Eine Verpflichtung dazu gibt es nicht. Quäker, Unitarier, liberale Juden und einige Anglikaner-Gemeinden haben bereits angekündigt, künftig auch schwule und lesbische Paare trauen zu wollen. Die Quäker haben bereits im August letzten Jahres erklärt, gleichgeschlechtliche Beziehungen genauso zu behandeln wie heterosexuelle, und deshalb auch schwule und lesbische Paare zu trauen.

In der gleichen Sitzung des Oberhauses hat Baroness Butler-Sloss Vorlagen für zwei weitere Zusatzartikel zum Gleichstellungsgesetz eingebracht. Die erste hätte es Angestellen ermöglicht, Anweisungen ihrer Vorgesetzten abzulehnen, die gegen ihre religiösen Einstellungen zum Thema Homosexualität gingen. Im zweiten Antrag sollte katholischen Adoptionsagenturen erlaubt werden, nicht mehr an schwule und lesbische Paare vermitteln zu müssen. Seit 2007 sind sie dazu verpflichtet.

Nachdem ihr wegen dieser Anträge Homophobie vorgeworfen wurde, nahm sie die Vorlagen „zutiefst geschockt“ zurück. Dafür stimmte sie auch für die kirchliche Trauung von schwulen und lesbischen Paaren.