Tschechischer Parteichef lästert gegen Schwule, Juden und Kirche

Ein Nachspiel hat ein Gespräch, das Mirek Topolanek, Chef und Spitzenkandidat der tschechischen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) mit dem Redakteur eines Schwulenmagazins geführt hat.

Im informellen Gespräch nach dem Interview hat Topolanek über die Kirche, Schwule und Juden gelästert – und über zwei Politiker: Premierminister Jan Fischer und seinen Parteikollegen, Verkehrsminister Gustav Slamecka. Auf die Frage, wie er einen Schwulen charakterisieren sollte, sagte Topolanek: „Was soll ich sagen? Bei Gustav Slamecka als Minister, wenn es wirklich hart auf hart kommt, habe ich das Gefühl, dass er ausweicht. Und Fischer ist Jude, kein Homosexueller – der weicht noch früher aus. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass [Slamecka] Homosexueller ist, sondern mit seinem Charakter“.

In einer nachträglichen Erklärung hieß es, dass Topolanek damit sagen wollte, dass es nicht darauf ankomme, ob jemand Homosexueller oder Jude sei, sondern auf seinem Charakter. „Dies ist ihm aber nicht besonders gelungen“, kommentierte die Tageszeitung „Pravo“. Und die Tageszeitung „Mlada fronta Dnes“ analysierte: „Topolanek tötet die ODS. Seine Zeit in der Politik geht geht dem Ende zu“.

Premier Fischer bezeichnet die Aussagen Topolaneks „diplomatisch gesagt als beleidigend, dumm und abwegig“. „Ich werde meine weitere Kommunikation mit ihm auf das notwendige Arbeitsminimum beschränken“, so der Regierungschef. Slamecka hingegen sagte, dass ihn die Wortwahl Topolaneks „in keine Weise getroffen“ hätten: „Ich kenne die Auffassungen von Mirek Topolanek und ich weiß, dass sie weder antisemitisch noch homophob sind“, beschwichtigt der Verkehrsminister.

Topolanek selbst betonte in seiner Entschuldigung, seine Aussagen seien „aus dem Kontext gerissen“ worden, der Redakteur des Schwulenmagazins habe sie „missbraucht“, nachdem es sich um ein Privatgespräch gehandelt habe. „Ich entschuldige mich bei allen stellvertretend für die Initiatoren dieser böswilligen Attacke sowie für meinen bekannten Vorwitz“, so der ODS-Chef.

Doch dafür ist es vermutlich schon zu spät: Topolaneks einflussreicher Parteikollege, Senatspräsident Premysl Sobotka, forderte Topolanek auf einer überraschend einberufenen Pressekonferenz zum Rücktritt auf. Er sei über die Aussagen Topolaneks „sehr empört“ und empfehle er dem ODS-Chef, bei den bevorstehenden Parlamentswahlen Ende Mai nicht zu kandidieren sowie keinen weiteren „Verbleib in der ODS-Führung zu erwägen“.