Moskauer Parade zum ersten Mal gewaltfrei

Zum ersten Mal in der Geschichte Russlands ist eine Lesben- und Schwulenparade in Moskau nicht von der Polizei niedergeprügelt worden. Allerdings beschränkten sich die Veranstalter nach den gewalttätigen Erfahrungen der letzten Jahre auch auf eine flashmob-ähnliche Durchführung.

Etwa 30 lesbischwule Aktivisten zogen zehn Minuten lang mit einer 20 Meter langen Regenbogenfahne durch die Leningradski Prospekt im Zentrum von Moskau. Außerdem riefen sie Slogans wie „Rechte für Homosexuelle“, „Keine Homophobie“, „Russland ohne Homophobe“ und „Homophobie ist die Schande Russlands.“ Die Aktion war zu Ende, bevor die Sicherheitskräfte kommen konnten: Als der erste Polizist etwa fünf Minuten nach Ende der Veranstaltung eintraf, hatten sich die Aktivisten bereits entfernt oder gaben, ebenso wie Gäste aus dem Ausland, den anwesenden Journalisten Interviews. Auch eine weitere Spontan-Demonstration in der Fußgängerzone Stary Arbat konnte ohne Zwischenfälle durchgeführt werden. Die Polizei musste am Nachmittag zugeben, niemanden verhaftet zu haben.

Wie in den letzten Jahren haben auch heuer die Behörden die Parade offiziell untersagt – diesmal wegen „Terminproblemen“: Von 9 bis 21 Uhr würde eine Demonstration zur Unterstützung von Präsident Putin stattfinden, hieß es. Daraufhin wollten die Lesben- und Schwulenaktivisten die Parade von 21 bis 23 Uhr stattfinden lassen. Daraufhin entgegnete der Verantwortliche der Stadt Moskau, dass die Polizei zwei Stunden brauche, um sich an den Ort der Demonstration zu begeben. „Warum müssen sie sich hinbegeben? Die Parade wird am selben Ort stattfinden,“ entgegnete Veranstalter Nikolaj Alexejew, was sogar die Richterin zum Lachen brachte. Die Schriftführerin soll bei Ende der Verhandlung Tränen in den Augen gehabt haben. Verboten blieb die Parade trotzdem.

„Moscow Pride ist eine Kommandoaktion im James Bond Stil,“ ließen die Veranstalter über die Live-Blogger von UKGayNews ausrichten, „Sie ist schwieriger zu organisieren, als eine Parade in London oder Paris mit zigtausend Teilnehmern.“ Geschafft haben sie es trotzdem: „Ätsch Bürgermeister Luschkow – die Parade hat trotz Verbot und Polizeiverfolgung stattgefunden. guerillaartiges Katz- und Maus Spiel. Polizei wütend und beschämt“, twitterte der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell zum Beispiel nach der Kurzparade.