Kirche und Politik gegen Sizzla-Auftritt in Deutschland

Auch in Deutschland wird die Front gegen einen Auftritt des jamaikanischen Hass-Sängers Sizzla immer breiter. Der Dancehall-Musiker soll beim „Chiemsee Reggae Summer“ auftreten.

Nach Protesten des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes LSVD formieren sich jetzt auch Kirche und Politik gegen einen Auftritt Sizzlas. So hat der Kreiskatholikenrat in Rosenheim die Veranstalter des Festivals in einem offenen Brief aufgefordert, den Auftritt Sizzlas abzusagen, weil er „mit seinen Texten gegen die Menschenwürde und die Grundrechte unserer Gesellschaft verstößt“. Man wolle weder Zensur gutheißen, noch die künstlerische Ausdrucksfreiheit einschränken, heißt es in dem offenen Brief weiter. „Für uns ist jedoch das Aufrufen zum Erschießen und Verbrennen von Homosexuellen keine Meinung und keine Kunst, sondern Volksverhetzung.“

Und auch die deutsche Politik stemmt sich immer heftiger gegen einen Auftritt des Hass-Sängers: Auch die bayerischen SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Graf und Bärbel Kofler sowie SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl rufen den Veranstalter auf, den Auftritt Sizzlas abzusagen. Dieser unterstütze ein Klima der Gewalt, feuere dieses an und verdiene damit sogar noch Geld, so der Vorwurf.

Das bestätigt auch die jamaikanische Lesben- und Schwulenorganisation J-FLAG: „J-FLAG unterstützt die Anstrengungen des LSVD und anderer Gruppen, die anstreben, dass sich Künstler wegen Anstiftung zur Gewalt verantworten müssen, wenn sie Hass in ihren homophoben Texten verbreiten“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der Organisation.

Auch die bayerischen Grünen versuchen, den Auftritt zu verhindern: Die Münchner Stadträtin Lydia Dietrich wies im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung darauf hin, dass Sizzla für „Aufrufe zum Mord an Lesben und Schwule, Bisexuellen und Transgender-Personen“ bekannt sei, wie die Lokalzeitung OVB berichtet.

„Geben sie solchen Hassmusikern keine Bühne“, forderte Dietrich die Veranstalter des „Chiemsee Reggae Summer“ auf. Doch diese lassen sich nicht beeindrucken: In der Stellungnahme einer beauftragten Rechtsanwaltskanzlei aus München heißt es lapidar , in der jamaikanischen Sprache würden „abstrakte Ideen häufig als Metapher ausgedrückt“. Zudem habe sich der Künstler vertraglich verpflichtet, „keines der Lieder mit homophoben Content zu spielen und auch keinerlei homophobe Äußerungen zu tätigen“.

Doch dafür braucht es aber keinen eigenen Vertrag: Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Traunstein sind alarmiert. Sobald er eines seiner Hass-Lieder in Deutschland singt oder sich dementsprechend äußert, schreiten die Behörden sofort ein. Trotzdem wehrt sich Michael Buchholz von den Veranstaltern „gegen die Reduzierung eines Künstlers, der 60 Alben auf dem Markt hat, auf ein paar Liedtexte“. Dass Sizzla die Botschaften dieser Lieder aber immer wieder bekräftigt, ignoriert Buchholz offenbar. Genauso, dass wegen dieser Texte zwei Alben des Künstlers in Deutschland auf dem Index stehen. Erst vor wenigen Monaten sagte er: „Ich kann nicht aufhören, diese Lieder zu singen, weil es in ihnen eine Botschaft gibt, die Menschen hören sollen.“ – Botschaften wie „Ich gehe und erschieß Schwule mit einer Waffe“.

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