Obmann-Outing war nur „Privatmeinung“

Am Mittwoch hat der Freiheitliche Gemeinderat Gerald Ebinger für Aufsehen bei einer Podiumsdiskussion für lesbischwule Wähler gesorgt. Als Beweis für die liberale Einstellung der FPÖ sagte er, seine Partei sei die einzige, die 17 Jahre lang von einem Schwulen geleitet worden wäre. Jetzt meldet sich auch der Wiener Parteichef Heinz-Christian Strache zu Wort. In einer Pressekonferenz nach der freiheitlichen Klubklausur in Graz sagte er, die Aussage wäre Ebingers Privatmeinung. Schuld wären wieder einmal andere: In diesem Fall Medien, deren Berichte in den vergangenen Jahren den Eindruck vermittelt hätten, Jörg Haider habe „gewisse Neigungen“ gehabt, so Strache.

Und auch die HOSI Wien hat sich heute zu Wort gemeldet. Deren Obmann Christian Högl meint, dass das Outing zwei Jahre nach Haiders Tod „wohl wirklich niemanden mehr“ interessiere. „Außerdem sind der Anlass

und Ebingers Absicht mehr als fadenscheinig“, ergänzt Högl.

Und HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler ergänzt: „Deshalb ist es jetzt kompletter Unsinn zu sagen, die böse intolerante Gesellschaft sei schuld, dass Haider nicht offen schwul leben konnte. Haider war einfach zu feig und zu bequem dazu. Mag sein, dass er mit einem Coming-out auch WählerInnen vor den Kopf gestoßen und verloren hätte, aber die Zeit war auch in Österreich schon zu Haiders Lebzeiten reif für einen schwulen Parteiobmann, dafür müssen andere Parteien jetzt nicht erst kämpfen“, ätzt er gegen eine gestrige Presseaussendung des offen schwulen Grünen Gemeinderates Marco Schreuder.