Lage für Lesben und Schwule in Uganda lebensgefährlich

Die Jagd auf Homosexuelle in Uganda geht weiter. Wie der Nachrichtensender CNN berichtet, könnte ein umstrittenes Gesetz, das Homosexualität sogar mit dem Tod bestraft, bald beschlossen werden.

Diese Hoffnung hat zumindest der Parlamentsabgeordnete David Bahati, der den Gesetzesentwurf eingebracht hat: „Wir sind sehr zuversichtlich, weil es sich um ein Gesetz handelt, das in diesem Land gebraucht wird, um hier in Afrika die traditionelle Familie zu schützen, und auch die Zukunft unserer Kinder“, sagte er dem Nachrichtensender.

Das Gesetz wurde schon vor über einem Jahr vorgestellt. Allerdings üben seitdem einige Regierungen der westlichen Welt massiven Druck auf Uganda aus, das Gesetz nicht zu beschließen. Für den Fall, dass es beschlossen wird, wollen sie unter anderem die Entwicklungshilfe für das afrikanische Land streichen. Daraufhin wurde es auf Eis gelegt. Bahati will diese Niederlage nicht hinnehmen: „Jeden einzelnen Tag meines Lebens hoffe ich, dass es beschlossen wird“, gibt er sich kämpferisch.

Doch auch ohne die Todesstrafe müssen Lesben und Schwule in Uganda um ihr Leben fürchten – umso mehr, als eine neue Zeitung die Hatz auf sie eröffnet hat. Der „Rolling Stone“, der in keiner Verbindung zu der Musikzeitschrift steht, hat Anfang Oktober eine Liste der „Top 100 Homosexuellen“ veröffentlicht. Seitdem wurden nach Angaben von Lesben- und Schwulenrechtsgruppen mindestens vier Menschen auf dieser Liste tätlich angegriffen.

Zwei davon waren Stosh Mugisha und ihre Partnerin. Nachdem sie in der Zeitung geoutet wurde, begannen die Menschen zunächst, mit dem Finger auf sie zu zeigen. In der Nacht versammelte sich der Mob vor ihrem Haus. „Die Leute haben Steine durch das Tor geworfen. Sie haben ‚Homosexuelle, Homosexuelle‘ gerufen. Ich hatte Angst“, erzählt sie. Nur knapp entgingen sie den Steinen, am nächsten Tag flüchteten sie aus dem Haus. Jetzt leben sie an einem geheimen Ort.

Für den zuständigen Redakteur der Zeitung, Giles Muhame, sind solche Vorfälle kein Grund, seine Berichterstattung zu ändern. Er glaubt, dass Homosexualität ein Virus sei, der sich auf der ganzen Welt verbreite, und ist überzeugt, mit seinen Berichten etwas Gutes getan zu haben. Gegenüber CNN erklärt er, er wollte Homosexuelle treffen, die versuchen, Schüler zu rekrutieren, um sie zu „bekehren“: „Wir glauben, dass die Polizei durch die Veröffentlichung unserer Geschichte beginnt, gegen sie zu ermitteln, sie zu verfolgen und sie zu hängen“, so Muhame.

Hinter dieser bedrohlichen Lage stecken besonders evangelikale Kirchen, die in den letzten Jahren in Uganda einen besonderen Zulauf bekommen haben. Sie haben, gemeinsam mit Politikern, in den letzten Jahren geschickt für härtere Strafen für Lesben und Schwule gekämpft. Einer davon ist David Bahati. Gegenüber CNN macht er klar: „Gott hat uns verschiedene Freiheiten gegeben, unsere Demokratie gibt uns verschiedene Freiheiten, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand die Freiheit hat, ein Verbrechen zu begehen. Und Homosexualität ist in unserem Land ein Verbrechen, es ist kriminell.“