Mehr HIV-Neuinfektionen in Frankreich

In Frankreich ist zum ersten Mal seit Jahren die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen gestiegen. Besonders bedenklich: Unter jungen Schwulen ist der Anstieg besonders hoch.

So ist die Zahl der festgestellten Neuinfektionen von 6.400 bis 6.700 gestiegen. Einer der Gründe für den Anstieg: „Weil immer mehr Schwule ungeschützten Sex haben. Wir brauchen dringend eine landesweite Info-Kampagne“, so Emmanuel Château von der Anti-Aids-Gruppe „Act Up“ gegenüber der ARD. Besonders Burschen unter 25 Jahren verzichten auf das Kondom, stellt Château fest. Die Erfolge der Kombitherapie lassen auch in Frankreich schwule Männer sorglos werden.

Weiters ist die Ansteckungsrate unter schwulen Männern auf dem Land angestiegen. Das dürfte am Fehlen einer Infrastruktur liegen, vermutet Château: So gibt außerhalb der Großstädte zwar Dates über das Internet, aber keine Schwulenlokale oder Beratungsstellen, in denen man Männer, die Männer lieben, erreichen kann.

Doch es gibt in Frankreich auch mehr heterosexuelle Neuinfektionen, vor allem unter illegalen Einwanderen aus den ehemaligen afrikanischen Kolonien. Diese haben Angst, zum Arzt zu gehen – das werde oft ihr Todesurteil, meint François Delfraissy vom staatlichen französischen Aidsforschungszentrum: „Man stirbt weiter an Aids. Und die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, ist umso größer, je später man sich in Behandlung begibt.“

Insgesamt wissen bis zu 50.000 Menschen in Frankreich nicht, dass sie HIV-positiv sind, vermuten Experten. Nun gibt es eine groß angelegte Werbekampagne, die die Franzosen dazu bringen soll, sich testen zu lassen.