Moscow Pride: Genehmigungen bis 2112 beantragt

Im Kampf um eine Lesben- und Schwulenparade in Moskau gehen die Veranstalter neue Wege: Sie haben gestern um Genehmigung für 102 Paraden angesucht und die entsprechende Stelle im Rathaus so eine Stunde lang lahmgelegt.

Der Hintergedanke: Nach russischem Recht kann man bei Veranstaltungen um Genehmigung ansuchen, wenn sie erst in einigen Jahren stattfinden. So haben die Veranstalter rund um Nikolaj Alexejew die Lesben- und Schwulenparaden bis zum Jahr 2112 beantragt. Allerdings muss die Stadtverwaltung schnell über die Anträge entscheiden – wenn sie wie erwartet abgelehnt werden, bleibt noch genug Zeit, gegen die Bescheide beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde einzureichen. Denn in den letzten Jahren hatte das Gericht in Straßburg entschieden, dass das Verbot der Paraden illegal war – diese waren aber schon längst vorbei. Damit hatten die Urteile für die Paraden selbst keine Auswirkungen.

Heuer wollen die Veranstalter gleich zwei Mal mit einer Lesben- und Schwulenparade in der russischen Hauptstadt aufmarschieren: Am 27. Mai, dem üblichen Termin, und zwei Monate zuvor, am 4. März – kurz vor der russischen Präsidentenwahl.

Ab dem Jahr 2013 soll dieser übrigens an jenem Samstag stattfinden, der dem 27. Mai am nächsten kommt. An diesem Tag im Jahr 1993 hat der damalige russische Präsident Boris Jelzin Homosexualität legalisiert.