Tennessee will mit Schülern nicht über Homosexualität reden

Im US-Bundesstaat Tennessee hat ein Gesetz, das es Lehrern verbietet, über Homosexualität zu reden, die nächste Hürde genommen.

Der Unterrichts-Unterausschuss des Repräsentantenhauses hat das „Don’t Say Gay“-Gesetz angenommen. Es würde Lehrern in Grund- und Mittelschulen verbieten, Homosexualität im Unterricht zu behandeln. Erst ab der High School dürfte dieses Thema dann von den Lehrern besprochen werden. Der Senat von Tennessee hat das Gesetz bereits im letzten Jahr verabschiedet.

Für einige Gesetzgeber schützt das Gesetz das Recht der Eltern, ihre Kinder nach ihren eigenen Wertvorstellungen erziehen zu können. Kritiker des Gesetzes meinen hingegen, es würde jüngere Kinder nicht davon abhalten, über Homosexualität zu sprechen – aber signalisieren, dass dieses Thema stigmatisiert ist.

Nächste Woche soll der Gesetzesentwurf im entsprechenden Ausschuss auf der Tagesordnung stehen. Noch vor dem Frühjahr soll auch das Repräsentantenhaus über das Gesetz abstimmen.

Das „Don’t Say Gay“-Gesetz gehört zu den Vorlagen, die in den letzten Jahren in Tennessee am heftigsten diskutiert wurden. Gegner des Gesetzes sind nicht nur Lesben- und Schwulenaktivisten sowie Bürgerrechtsgruppen, sondern auch Schüler . An vielen High Schools gibt es nämlich „Gay/Straight Alliances“, in der homo- und heterosexuelle Schüler für ein besseres Miteinander kämpfen.

So waren auch im Publikum des Unterausschusses viele Schüler, die in lila T-Shirts den Abgeordneten klar machten, dass sie gegen das Gesetz sind. Der Unterausschuss musste wegen ihnen sogar in einen größeren Raum ausweichen. „Mir kommt es so vor, dass sie eine Botschaft aussenden, dass Schwule und Lesben in der Gesellschaft nicht wirklich gleichbereichtigt sind“, sagt Thomas Kibby von der Hume-Fogg High School. Er glaubt: „Das Gesetz ist irgendwie ein Schritt zurück“.

Unterdessen versuchen die Befürworter des Gesetzes die Auswirkungen kleinzureden. „Wenn dieses Gesetz angenommen wird, verbietet es nicht den Gebrauch des Wortes ’schwul'“, erkärt der republikanische Abgeordnete Bill Dunn: „Es ändert nicht die Anti-Bullying-Bestimmungen, und es verbietet nicht, dass ein Berater der Schule das Thema Sexualität mit einem Schüler bespricht“.

Doch Thomas Kleinert, Pastor einer Kirche in Nashville, glaubt, mit dem Gesetz würden Diskussionen über ein Thema abgewürgt, über das Kinder ständig hören: „Unsere Kinder müssen mit dieser Komplizität umgehen lernen, lange bevor sie reif genug dafür sind. Schweigen im Klassenzimmer hüllt nur den Mantel des Schmerzes und der Schande darüber, während eine offene altersgerechte Konversation ihnen eine Chance geben könnte – und den Mut, darüber mit einem Erwachsenen zu reden, dem sie vertrauen.“