‚Besser Diktator als schwul‘

Verschnupft hat der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko auf Aussagen des deutschen Außenministers Guido Westerwelle reagiert. Nachdem Lukaschenko unter anderem auch den EU-Botschafter aus dem Land geschmissen hat, bezeichnte ihn Westerwelle als „letzten Diktator Europas“. Lukaschenkos Replik: Besser ein Diktator als schwul.

„Wer auch immer laut von Diktatur geschrien hat“, sagte Lukaschenko gestern der staatlichen Nachrichtenagentur Belta: „Ich habe gedacht: Es ist besser, ein Diktator zu sein als schwul.“ Und es ist nicht das erste Mal, dass Lukaschenko sein Problem mit Westerwelles Homosexualität öffentlich äußert. Letztes Jahr soll er Westerwelle bei einem Besuch in Weißrussland „Auge in Auge“ geraten haben, ein „normales Leben“ zu führen. Zwar habe sich Lukaschenko später bei Westerwelle entschuldigt, blieb aber bei seiner Meinung, Schwule nicht leiden zu können.

Überhaupt ist das Verhältnis der weißrussischen Regierung mit schwulen Diplomaten aus Deutschland eher gespannt: Im Jahr 2004 wurde ein deutscher Diplomat, der sich mit seinem Lebensgefährten in Minsk aufhielt, wegen angeblichen Rauschgiftbesitzes festgenommen. Anschließend wurde – auf Weisung der Regierung – in den weißrussischen Medien über seine Homosexualität und den angeblichen Drogenhandel berichtet.

Auch Lesben und Schwule spüren die Repressionen in der letzten Diktatur Europas: Zwar ist Homosexualität seit 1994 legal, doch das Magazin einer weißrussischen Lesben- und Schwulenorganisation wurde beispielsweise wiederholt vom staatlichen Presse-Komitee verboten. In einer Erklärung des Präsidialamtes im Vorfeld des „Belarus Gay Pride 2000“ hieß es, dass es keine Homosexuellen in Weißrussland gebe, daher auch nicht über sie berichtet werden dürfe.