‚Homo-Ehe wie Sklaverei‘

Für Kopfschütteln sorgt der ranghöchste katholische Geistlichste Schottlands. In einem Kommentar, den Kardinal Keith O’Brien im „Sunday Telegraph“ schreibt, vergleicht er die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule mit der Wiedereinführung der Sklaverei.

O’Brien beruft sich auf die Erklärung der Menschenrechte, in der die Ehe als Verbindung von Mann und Frau definiert ist – und auch das Verbot der Sklaverei. Daraus folgert er: „Stellen sie sich einen Moment lang vor, dass die Regierung beschließt, Sklaverei wieder einzuführen, uns aber versichert ’niemand wird gezwungen, sich einen Sklaven zu halten‘. Würden solche wertlosen Versicherungen unseren Zorn dämpfen? Würden sie die Aushöhlung eines fundamentalen Menschenrechts rechtfertigen?“

Dass einige Leser des „Sunday Telegraph“ die Ansichten des Kardinals als „bizarr“ bezeichnen, stört O’Brien nicht: „Ich glaube, es ist ein sehr, sehr gutes Beispiel, was heute in unserem eigenen Land passieren könnte“, verteidigt er seinen Kommentar in einem BBC-Interview.

Der bekannte britische Schwulenaktivist Peter Tatchell schüttelt bei solchen Aussagen nur den Kopf. Er erinnert den Kardinal daran, dass 61 Prozent der Briten eine Öffnung der Zivilehe für Lesben und Schwule befürworten: „Wenn er die Ehe unterstützt, sollte der Kardinal die Tatsache begrüßen, dass viele lesbische und schwule Paare heiraten möchten. Gleichgeschlechtliche Ehen untergraben die Ehe nicht, sondern stärken sie. In einer gleichgeschlechtlichen Ehe geht es um Liebe und Verpflichtungen. Das sind christliche Werte, deshalb verstehe ich nicht, warum der Kardinal dagegen ist, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten“, so Tatchell weiter.