Canal Pride zeigt Amsterdam von seiner coolsten Seite

Dieses Wochenende war Amsterdam die Hauptstadt der europäischen Lesben und Schwulen: Die Bootsparade in den Grachten am Samstag war der Höhepunkt der Pride Week in der niederländischen Hauptstadt.

Die Stadt ist quasi in Regenbogenfarben versunken. Die Parade zog offiziellen Schätzungen zufolge 300.000 bis 500.000 Besucher an, gut achtzig bunte Boote zogen durch die malerischen Grachten Amsterdams.

Schwule und lesbische Türken erstmals mit eigenem Boot

Seit 17 Jahren gibt es diesen Umzug am Wasser – und zum ersten Mal hatten auch türkischstämmige Schwule ein eigenes Boot, angeführt von einem Muskelmann mit einer großen Tafel, auf der „Türke, Niederländer und stolz“ stand.

„Es scheint, als wären wir die ersten, die in den Niederlanden einen Trend unter den ethnischen Gruppen auslösen, sich zu outen“, sagte Boots-Organisatorin Done Fil mit einem Augenzwinkern. Mit roten T-Shirts, auf denen der türkische Halbmond aufgedruckt war, wollte die Gruppe „sexuelle Tabus in einer Kultur brachen, die als traditionell und konservativ gilt“.

Und auch das Feiern kam auf dem türkischen Boot nicht zu kurz, schließlich wolle man auch „400 Jahre türkisch-niederländischer Beziehungen und 50 Jahre türkische Community in den Niederlanden“ würdig begehen, so Fil.

Stadt Amsterdam stolz auf die „Canal Pride“

Und auch die Stadt war stolz auf ihre Parade: Von der direkt an der Prinsengracht gelegenen Westerkerk wehte die Regenbogenflagge. Und die Polizei twitterte zu Beginn der Parade auf ihrem offiziellen Account: „Die ersten Boote befahren gerade die Prinsengracht“.

Natürlich waren auch Lesben mit etlichen Booten bei der „Canal Pride“ dabei – eines davon wurde, völlig unüblich, vom „Playboy“ gesponsert. Von einem anderen Boot, dass sich der niederländischen Königsfamilie widmete, tönte passenderweise ABBAs „Dancing Queen“.

Das launische Wetter in Amsterdam spielte dieses Jahr bei der Parade mit. Nur kurz gab es einen Regenschauer – und sogar der inspirierte die Teilnehmer dazu, fröhlich im Nassen zu tanzen.

Ehrengast aus St. Petersburg genießt „Luft der Freiheit“

Ehrengast bei der „Canal Pride“ war die russische Lesbenaktivistin Polina Sawchenko aus St. Petersburg. Sie fuhr auf dem offiziellen Boot der Stadtverwaltung mit, dessen Motto „Diskrimination: Amsterdam ist fertig damit“ war. „Die Luft der Freiheit in Amsterdam ist fantastisch“, sagte sie. „Für mich ist es eine große Ehre, hier zu sein, aber auch die Chance, den Leuten zu sagen, wie es in St. Petersburg ist und wie das Leben der Leute dort betroffen ist.“ St. Petersburg hat ein Gesetz verabschiedet, das „Homo-Propaganda“ in der Öffentlichkeit quasi verbietet. Vor einigen Wochen hat die Polizei bekannt gegeben, dass 73 Personen wegen dieses Gesetzes angeklagt wurden.

Amsterdam galt lange als die „schwule Hauptstadt Europas“. Ein tolerantes Klima hat die Szene hier früher aufblühen lassen als in anderen Ländern Europas. In den letzten Jahren haben allerdings einige traditionsreiche Bars schließen müssen, und auch Übergriffe auf Lesben und Schwule machen immer wieder Schlagzeilen. Nun versucht die Stadt, an ihre alte Glanzzeiten wieder anzuknüpfen. Zumindest bei der Bootsparade ist es ihr gelungen.