‚Pride Week‘ in Prag hat begonnen

In Prag hat die „Pride Week“ begonnen: Eine Woche lang gibt es rund 80 Debatten, Ausstellungen und Konzerte, Höhepunkt der Woche wird die zweite „PraguePrideParade“ am Samstag sein. Eine Gegenveranstaltung will die „Würde der normalen Leute“ verteidigen.

„Unser Ziel ist es, die schwul-lesbische Community der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es gibt viele Vorurteile, die beseitigt gehören“, erklärte Czeslaw Walek, Präsident der Veranstalter-Organisation. Im letzten Jahr fand in Prag zum ersten Mal eine Lesben- und Schwulenparade statt. Rund 8.000 Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und deren Freunde marschierten durch die tschechische Hauptstadt. Für dieses Jahr rechnet Walek mit einer deutlich höheren Teilnehmerzahl: „Sonderzüge kommen aus Brünn, Ostrau und Pilsen. Leute aus dem ganzen Land wollen nach Prag kommen“, freut er sich.

Präsident Klaus und sein Büro sticheln gegen Prague Pride

Bereits diese Parade hat für Kontroversen gesorgt. Öl ins Feuer hat dabei vor allem einer der engsten Mitarbeiter von Klaus gegossen: Petr Hajek, Vizechef der tschechischen Präsidentenkanzlei, bezeichnete die Teilnehmer als „abartige Mitbürger“ und verunglimpfte die Parade als „Lobbying-Veranstaltung der Homosexuellen“, die „kein unschuldiger Spaß“ sei.

Die Schirmherrschaft über das Festival hat der konservative Prager Bürgermeister Bohuslav Svoboda, ein angesehener Frauenarzt übernommen. Unterstützt wird die Parade außerdem von den Botschaftern der USA, der Niederlande und Israels.

‚Verteidigung der Würde der normalen Leute‘ gegen Parade

Zu den vehementesten Gegnern der Parade zählen die erzkonservativen Abtreibungsgegner von „D.O.S.T.“ („genug“). Sie hat für Samstag zu einer Gegenveranstaltung zur offiziellen Parade aufgerufen. Diese trägt den Titel „Versammlung zur ‚Verteidigung der Würde von normalen Leuten‘“. Außerdem haben sie Svoboda und den unterstützenden Botschaftern eine schriftliche Protestnote überreicht.

Unterstützt werden die Gegner der „Pride Week“ vom tschechischen Präsidenten Václav Klaus. Er bestätigte seine „klar negative Haltung“ zu dem Festival und ermuntert die Gegner: „Es kann nicht so sein, dass eine Seite laut ist und die andere schweigt. Ich begrüße, dass sie dagegen auftreten“, so der Staatschef. Klaus hat auch sein Veto gegen die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften im Jahr 2006 eingelegt, wurde aber vom Parlament überstimmt.

Andere Politiker bekennen sich zu Lesben- und Schwulenrechten

Es ist wohl das letzte Mal, dass der tschechische Staatspräsident gegen die Pride Week in Prag poltert: Im Jänner 2013 wird ein neuer Präsident erstmals direkt vom Volk gewählt. Kandidieren werden unter anderem die angesehenen Politiker Jiří Dienstbier, Jan Fischer und Miloš Zeman sein. Sie haben bei einer von der „Prague Pride“ veranstalteten Podiumsdiskussion ihr Bekenntnis zu den Rechten von Lesben und Schwulen bekräftigt.

Die Veranstalter sehen die Kritik auch heuer wieder gelassen. Walek macht klar: „Es ist wichtig zu unterscheiden, wer Emotionen hervorruft, wer für Spannungen sorgt und wer auf eine friedliche Weise feiern will“ so Walek. Die Veranstalter würden eng mit der Polizei zusammenarbeiten und auch selbst für einen ordentlichen Verlauf des Festivals sorgen.

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