‚Prague Pride‘: Bunte Parade ohne große Zwischenfälle

In Prag ist am Samstag die Lesben- und Schwulenparade ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Bei der „Prague Pride“ feierten dieses Jahr mehrere tausend Lesben, Schwule und deren Freunde. Eine Gegendemonstrationen blieb größtenteils friedlich, auf der Route beschimpften allerdings einige Lesben- und Schwulenfeinde die Teilnehmer.

Eine Parade wie in vielen anderen Städten auch

Es war erst das zweite Mal, dass Lesben und Schwule durch Prag marschierten. Und gab es im Vorjahr nur etwa 800 Teilnehmer, ist die Zahl heuer auf zehn- bis fünfzehntausend gestiegen. Die Parade vom Wenzelsplatz auf die Moldau-Insel „Strekecky ostrov“ war der Höhepunkt der „Pride Week“, die schon die ganze Woche über ein schwul-lesbisches Programm in der tschechischen Hauptstadt geboten hat.

Die Parade unterschied sich dieses Jahr kaum von der in anderen Städten: Begleitet von Musiktrucks tanzten die Teilnehmer fröhlich durch die historischen Straßen der Prager Neustadt. Angeführt wurde die „Prague Pride“ von Anna Grodzka, der ersten Transgender-Abgeordneten im polnischen Parlament.

Zahlreiche Polizisten schützten die Veranstaltung, Gegner der Veranstaltung beschimpften die Paradenteilnehmer auf ihrem Weg durch die Stadt vulgär. Sieben Störer wurden vorläufig festgenommen.

Staatspräsident unterstützt Gegendemonstranten

Einige Stunden vor der Prager Parade demonstrierten noch deren Gegner auf dem Wenzelsplatz. Ein paar Dutzend Teilnehmer folgten der Aufforderung der konservativen Initiative „D.O.S.T.“ („genug“), an einer Versammlung „zur Verteidigung der Würde von normalen Leuten“ teilzunehmen. Auch die Facebook-Seite der „Prague Pride“ wurde in der Nacht vor der Parade von Unbekannten gehackt.

Die Teilnehmer der „Prague Pride“ ließen sich davon nicht stören: „Wir müssen uns nicht dafür schämen, wer wir sind“, sagte eine Teilnehmerin der internationalen Presse entschlossen.

Auf der Gegenveranstaltung sprach unter anderem auch Petr Hajek, stellvertretender Chef der tschechischen Präsidentschaftskanzlei. Er hatte die „Prague Pride“ bereits im letzten Jahr scharf kritisiert: Damals bezeichnete er Homosexuelle als „abartig“.

Hajek begrüßte dieses Jahr das kleine Teilnehmer-Grüppchen „im Namen des Staatspräsidenten“ Vaclav Klaus, der sich im Vorfeld ebenfalls gegen die Parade geäußert hatte.

Homo-Gegner auch bei Konservativen in der Minderheit

Hajek bezeichnete das Prager Lesben- und Schwulenfestival in seiner Rede als „Abscheu erregende Farce“ und „Werbeaktion des Homosexualismus“.

Doch sogar innerhalb der tschechischen Konservativen nehmen Präsident Klaus, dessen Amtszeit im März 2013 endet, und seine Clique eine Minderheitsposition ein. Schirmherr der „Pride Week“ in der tschechischen Hauptstadt ist der Prager Bürgermeister Bohuslav Svoboda von der konservativen Regierungspartei ODS (Demokratische Bürgerpartei).

Bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der „Pride Week“ haben drei der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Klaus betont, Lesben- und Schwulenrechte achten zu wollen – quer durch alle Parteien.