Homophob und gewaltverherrlichend? Xavier Naidoo und Kool Savas nehmen Stellung

In Deutschland haben die Jugend- sowie die Lesben- und Schwulenorganisation der Linkspartei die beiden Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas wegen Volksverhetzung angezeigt. Sie sollen im gemeinsamen Lied „Wo sind“ gegen Lesben und Schwule hetzen und unter anderem zur schweren Körperverletzung aufrufen. Die beiden Musiker dementieren die Vorwürfe über Facebook.

Transportiert Hidden Track des Albums „Gewaltverherrlichung und Homophobie“?

Der Song ist ein „Hidden Track“ auf ihrem gemeinsamen Album „gespaltene Persönlichkeit“. Darin heißt es gleich zu Beginn: „Ich schneid’ euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann f… ich euch in den A…, so wie ihr es mit den Kleinen macht. (…) Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten.“ An einer anderen Stelle singen sie: „Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Josi Michalke, Bundessprecher der linken Jugendorganisation „Solid“, ist empört: „Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie.“ Christian Stähle, Sprecher von „Die Linke.queer“, pflichtet ihm bei. Auch er meint, dass in dem Lied „auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch, Pädophilie und Homosexualität gleichgesetzt wird.“ Naidoo inszeniere sich als „Kämpfer für das Gute mit Heiligenschein“, stachele in Wirklichkeit aber mit seiner „verqueren Weltsicht“ zu Gewalt und Selbstjustiz an.

Xavier Naidoo inszeniert sich als LGBT-Schutzheiliger

Naidoo und Savas haben lange Zeit zu den Vorwürfen geschwiegen. Nun haben sie über Facebook eine Stellungnahme abgegeben. Die beiden Musiker bekunden ihren „großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit“. Naidoo erklärt, er stehe mit der römisch-katholischen Kirche deshalb auf Kriegsfuß, „weil sie Schwule, Lesben und Transsexuelle nicht respektiert und akzeptiert“.

„Die ersten zwei Zeilen des Textes geben den Bericht eines Augenzeugen wieder, der mir nach einem Konzert 2010 davon erzählte. Dieses Ritual beschreibe ich in kleinen Auszügen“, erklärt Naidoo weiter. „Ich glaube nicht, dass diese Täter schwul oder pädophil sind. Ich habe, da ich selbst im Alter von acht Jahren in die Hände eines pädophilen Mannes geraten bin, in gewisser Hinsicht Verständnis für deren tragisches Schicksal, da sie Triebtäter sind. Und gegen ihren Trieb nichts ausrichten können.“

Und auch Kool Savas möchte klarstellen, „dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen“. Man habe lediglich künstlerisch versucht, „die Verzweiflung und die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ein Mensch genau in der Sekunde empfindet, in der er erfährt, dass ein Kind missbraucht wurde“.