Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Papst Benedikt XVI. hat heute angekündigt, sein Amt Ende Februar zurückzulegen. E Lesben und Schwule können den Rücktritt des Heiligen Vaters mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen.

Homosexualität gegen „Gottes Willen“

So bezeichnete der Papst im Jahr 2010 in einem Interviewbuch Homosexualität als „etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“: Wenn jemand starke homosexuelle Neigungen habe, dann sei das für denjenigen eine große Prüfung, so der Papst weiter. „Aber das bedeutet nicht, dass Homosexualität dadurch moralisch richtig wird“. Der Sinn von Sexualität sei, „Mann und Frau zueinander zu führen und damit der Menschheit Nachkommenschaft, Kinder, Zukunft zu geben“.

Auch Christian Högl, Obmann der HOSI Wien, betont, Ratzinger habe sich „im Gegensatz zu seinen Vorgängern während seiner Amtszeit dadurch hervorgetan, dass er immer wieder aktiv und von sich aus dieses Thema ansprach und die negative Haltung der katholischen Kirche in Sachen Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen in den Vordergrund stellte und bei jeder Gelegenheit in Erinnerung rief. Seine fast zwanghafte Beschäftigung mit dem Thema Homosexualität hatte ja schon fast verdächtigte Züge. Benedikt XVI. hätte diese Frage ja auch ignorieren oder ihr insgesamt weniger Bedeutung beimessen können.“

Homo-Ehe als päpstliches Feindbild

In den letzten Jahren fiel der Heilige Vater vor allem durch seinen Kreuzzug gegen die Öffnung der Ehe auf. Vor nicht einmal einem Monat betonte er, die Beziehung zwischen Mann und Frau sei „Ausdruck der Schönheit der Natur, wie der Schöpfer sie sich wünscht“, Die Kirche sage ja „zur Würde und Schönheit der Ehe“. Nein sage sie hingegen zur Gender-Theorie, laut der die Geschlechterrollen in erster Linie erlernt und nicht angeboren sind, so der Papst.

Bedeutend waren diese Angriffe des Papstes, weil sie direkte Folgen haben könnten: Benedikt forderte die anwesenden Vertreter der Hilfsorganisationen auf, keine Projekte zu finanzieren oder zu unterstützen, „im Gegensatz zum christlichen Menschenbild“ stünden.

Angeschlagene Gesundheit Grund für den Rücktritt

Als Grund für den Rücktritt nennt Benedikt XVI. seine angeschlagene Gesundheit. In seiner Rücktrittserklärung heißt es: „Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat,“

Nur einen Tag davor hat er sich über Twitter an die Gläubigen gewandt: „Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Wir sind alle Sünder, doch seine Gnade verwandelt uns und macht uns neu“, ließ er ausrichten.

Ein neuer Papst soll bis Ostern gefunden sein. Ob er eine liberalere Position bezüglich Lesben und Schwulen haben wird, bleibt abzuwarten. Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag, ist skeptisch. In einer ersten Stellungnahme sagte er: „Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance. Unter ihm ist die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das zweite vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft. Auch seine Worte gegen Homosexuelle waren stehts ein Angriff auf den säkularen Verfassungsstaat, auf die Menschenrechte und eine humanistisch orientierte Werteordnung.“ Von seinem Nachfolger erwarte er sich „dass er sich seiner Verantwortung im Umgang mit Juden, Muslimen, Homosexuellen und Frauen bewusst ist und Gesellschaften hier nicht mehr spaltet, sondern eint.“