Franziskus fordert Frankreich auf, Ehe-Öffnung rückgängig zu machen

Lange hat Papst Franziskus seine milde Seite gezeigt. Doch nun mehren sich auch beim aktuellen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche homophobe Ausfälle. So hat er französische Politiker bei einem Treffen durch die Blume aufgefordert, das Gesetz zur Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule wieder rückgängig zu machen.

Kirche leistet „gerne ihren Beitrag zu grundlegenden Fragen“

Die Botschaft war eindeutig, auch wenn sie nicht direkt formuliert wurde: Bei einem Treffen mit französischen Abgeordneten im Vatikan erklärte Franziskus, Gesetzestexte sollten „eine Seele“ haben und „nicht nur Moden und Ideen des Augenblicks“ widerspiegeln. Das Parlament könne beschlossene Gesetze „auch wieder außer Kraft setzen“, so der 76-jährige. Die römisch-katholische Kirche sei gern bereit, „ihren spezifischen Beitrag zu grundlegenden Fragen zu leisten, die ein vollständigeres Bild des Menschen und seiner Bestimmung ermöglichen“.

Ohne die von radikalen Konservativen organisierten Massendemonstrationen zu nennen, zeigte sich der Argentinier erfreut „über die Tatsache, dass die französische Gesellschaft ein gewisses Bild vom Menschen und seiner Würde wiederentdeckt“, das „von der Kirche und anderen“ vertreten werde.

Franziskus hetzte schon als Erzbischof gegen Lesben und Schwule

Den Kampf, den die römisch-katholische Kirche gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule in Frankreich geführt hat, kennt Franziskus aus seiner Heimat: Als in Argentinien die Ehe geöffnet wurde, war er Erzbischof von Buenos Aires.

Damals bezeichnete er die Eheöffnung als Intrige des Teufels, „die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll.“ Bei einer Gegendemonstration in Buenos Aires wurde eine Grußbotschaft des Erzbischofs verlesen, in der er betonte, die Ehe zwischen Mann und Frau sei §der einzige natürliche Weg der Nachwuchszeugung“.

Einem Priester seiner Diözese, der öffentlich sagte, Homosexualität sei ebenso wie jede andere Form der Liebe ein „Geschenk Gottes“, wurde sofort die Erlaubnis zur Lesung der Messe entzogen, und es wurde ein kircheninternes Verfahren gegen ihn eröffnet.

Vor wenigen Tagen hatte Papst Franziskus offen über eine „Homo-Lobby“ in der Führungsriege des Vatikans gesprochen – und den Mitgliedern dieser Lobby Konsequenzen angedroht.