Auch eigene Partei distanziert sich teilweise von Marcus Franz

Heftige Kritik an den Aussagen des Team Stronach-Abgeordneten Marcus Franz kommt von der schwul-lesbischen Community. Auch Teile der eigenen Partei distanzieren sich von dem Nationalrat.

Franz, im Hauptberuf Primararzt an einem Ordensspital, hat in einem Interview mit dem „profil“ unter anderem gemeint, Homosexualität sei eine „amoralische genetische Anomalie“. Er betonte, dies nicht wertend gemeint zu haben – obwohl er in den Interview für Heterosexuelle gern den Ausdruck „normal“ verwendet. Weiters forderte er, Demonstrationen wie die Regenbogenparade künftig an den Stadtrand zu verlegen, wo sie den Verkehr nicht stören würden.

Der Präsident der Wiener Ärztekammer, Thomas Szekeres, will Franz nun nach Angaben des „Standard“ noch „ein paar Tage“ Zeit geben, um sich für seine Aussagen zu entschuldigen. Ansonsten will Szekeres seinen Berufskollegen beim Disziplinaranwalt der Österreichischen Ärztekammer wegen „standeswidrigen Verhaltens“ anzeigen.

Aussagen von Franz für Grüne „gefährlich“

„Aussagen wie die des Neo-Abgeordneten Marcus Franz vom Team Stronach sind unglaublich und haben in der Politik nichts verloren. Sie sind gefährlich.“, machen Daniela Musiol, Demokratie- und Familiensprecherin der Grünen, und Marco Schreuder, Bundesrat der Grünen und grüner Sprecher für Lesben, Schwulen und Transgenderpersonen in einer Aussendung klar. Nicht Homosexualität sei amoralisch, sondern ein Politiker, der Lesben und Schwule auf diese Weise diffamiere, so die Grünen.

Markus Knopp, Präsident der austrian gay professionals (agpro), sieht in den Aussagen eine „moralinsaure Geisteshaltung“: „Im Zusammenhang mit Homosexualität von einer ‚amoralischen genetischen Anomalie‘ zu sprechen und Homosexuelle mit Affen und Hunden gleichzusetzen, ist beleidigend und diskriminierend.“ Franz würde damit auch gegen alle aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse argumentieren, denn bislang hätten Genetiker noch kein entsprechendes Gen gefunden, das Franz‘ Theorie bestätigen würde, so Knopp weiter.

Team Stronach NÖ distanziert sich, Frank schweigt

Und auch innerhalb der eigenen Partei sorgen die kontroversen Aussagen von Marcus Franz nicht nur für Freude: Renate Heiser-Fischer, von Frank Stronach installierte Landesobfrau des Team Stronach in Niederösterreich, distanzierte sich mit einer Presseerklärung von den Aussagen des Nationalrats. „Das sind nicht unsere Werte“, macht sie klar. Das Team Stronach bekenne sich zu einer offenen und toleranten Gesellschaft, „deren Umgang mit der sexuellen Ausrichtung anderer von Respekt getragen wird.“

Eine Stellungnahme von Parteigründer Frank Stronach oder dessen Statthaltern Kathrin Nachbaur liegt noch nicht vor.