Deutsches Olympia-Komitee relativiert Homophobie in Russland

Der Deutsche Olympische Sportbund (DSOB) relativiert in seinem Artikel die Menschenrechtsverletzungen gegenüber Lesben und Schwulen in Russland. Die Medien würden die Situation hochspielen, heißt es.

So kritisiert Helmut Digel, ehemaliger Handballer, Funktionär des DSOB und nun Professor an der Universität Tübingen, die Kritik der Medien an den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi als „Heuchelei, teilweise aber auch als Dummheit“.

„Der Sachverhalt der Menschenrechtsverletzung gilt als erwiesen, und deshalb muss aus Anlass der Olympischen Winterspiele Russland mit seinem Staatspräsidenten an der Spitze in Frage gestellt werden“, kritisiert Digel die Medien. Dabei sei das so oft kritisierte Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ doch lediglich „auf Kinder und Jugendliche“ ausgerichtet, erklärt der Tübinger Professor.

Als Beispiel, wie verzerrt Medien über die Lage von Lesben und Schwulen berichten, nimmt Digel die russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, ohne sie aber namentlich zu erwähnen. Sie hatte bei der Leichtathelik-WM in Russland im letzten Jahr davor gewarnt, Lesben und Schwule „als Normalbürger“ zu behandeln. Für Digel ist diese Aussage kein Problem – sie habe doch nur ihre „Vorliebe für heterosexuelle Beziehungen“ gezeigt.

Anschließend bezweifelt Digel in seinem Text sogar, dass „das Recht auf Homosexualität“ ein Menschenrecht ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass der DSOB die Menschenrechtssituation in Russland anlässlich der Winterspiele in Sotschi schönredet. Schon im letzten Jahr hat ein Sprecher des Sportbundes das international geächtete Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ mit dem Alkoholverbot bei Autofahrern verglichen.