HIV künftig ohne Medikamente behandeln?

Könnten HIV-Positive künftig auf ihre täglichen Medikamente verzichten? Eine aktuelle Studie des „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) legt nahe, dass das Virus künftig mit moderner Gentechnik unschädlich gemacht werden könnte.

Wie die „New York Times“ berichtet, geht es dabei um die erste Therapie mit veränderten Genen im menschlichen Körper: Dafür wurde 12 HIV-positiven Patienten Blut abgenommen. Dann haben die Forscher durch eine Veränderung der Gene einen Eiweißbaustein namens CCR5 von ihren Immunzellen entfernt. Daran dockt der HI-Virus normalerweise an. Die Patienten bekamen die veränderten Zellen wieder injiziert und sie vermehrten sich im Körper.

Vier Wochen später setzten sie ihre HIV-Medikamente ab, damit die Forscher den Effekt der Therapie feststellen konnten. Bei elf von ihnen war der Virus – wie von den Forschern erwartet – wieder nachweisbar, aber die genetisch veränderten Zellen scheinen dann gegenüber einer HIV-Infektion immun zu sein. Die Betroffenen dürften auch offenbar unter keinen Nebenwirkungen der Gen-Therapie leiden.

Sollte sich bei den Patienten das Vorkommen des Virus auf einer geringen Zahl einpendeln, so dass der Körper selbst damit fertig wird, würden die Ärzte von einer „funktionellen Heilung“ sprechen.

„Es ist eine großartige Strategie“, freut sich Anthony S. Fauci, Direktor des

NIAID, der „New York Times“: „Es ist aufregende, interessante und elegante Wissenschaft. Aber man muss sich mit sehr viel ‚Was wäre, wenn…‘ herumschlagen, bevor man sagen kann, ‚Wow, das funktioniert‘.“ Er gesteht ein, dass es noch ein langer Weg ist, bis die Therapie eingesetzt werden kann.

Durchgeführt wurden die Untersuchungen von der University of Pennsylvania, dem Albert Einstein College of Medicine in New York und der kalifornischen Firma „Sangamo BioSciences“, die sich auf die Herstellung von Werkzeugen zur Bearbeitung von Genen spezialisiert hat.

Die Idee dazu hatten Forscher, nachdem sie sich mit dem „Berlin Patient“ beschäftigt hatten. Dieser litt zusätzlich zu seiner HIV-Infektion auch an Leukämie. Nach einer Knochenmarkspende war er gegen den HI-Virus immun. Sein Spender gehörte zu jenem Prozent der Weltbevölkerung, das durch eine genetische Mutation nicht mit HIV infiziert werden kann.

Bis zur Zulassung sind noch umfangreiche Tests notwendig. Und auch die zuständigen National Institutes of Health (NIH) sind noch skeptisch: Diese Behandlungsmöglichkeit „könnte unter Umständen Menschen helfen, den Virus ohne Medikamente unter Kontrolle zu halten“, heißt es in einer ersten Stellungnahme.