Roland Heintze: CDU Hamburg hat einen schwulen Vorsitzenden – und verheimlicht es

Was in der ÖVP wohl undenkbar wäre, scheint in der Hamburger CDU an der Tagesordnung zu sein: Ein offen schwuler Landesparteichef. Roland Heintze erhielt beim Landesparteitag am Dienstag 147 von 159 gültigen Stimmen. Sechs Delegierte enthielten sich, sechs weitere Stimmen bekam sein Gegenkandidat. Sein Vorgänger Marcus Weinberg hatte sich nicht mehr für den Vorsitz beworben.

Seine Schwerpunkte als Hamburger CDU-Chef sieht Heintze in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. Dabei möchte er sich deutlich von der Hamburger SPD distanzieren, die mit großer Mehrheit die Hansestadt regiert.

„Es ist Aufgabe der Partei, sich hier ganz klar zu positionieren und zu sagen: Der Wirtschaftsstandort Hamburg muss gestärkt und ausgebaut werden“, so der neue CDU-Landesvorsitzende. Weiters möchte Heintze „klare Kante in der Ordnungspolitik in dieser Stadt“ zeigen.

In der Bürgerschaft, dem Hamburger Gemeinderat, ist Roland Heintze übrigens nicht vertreten. Bei der letzten Wahl, als die CDU das schlechteste Ergebnis seit über 50 Jahren eingefahren hatte, verlor auch er seinen Sitz im Stadtparlament. Dort war Heintze seit 2004 vertreten.

Auch mit Lesben- und Schwulenpolitik kennt sich der neue Hamburger CDU-Chef aus: Von 2004 bis 2006 war er Bundesvorsitzender der LSU, der schwul-lesbischen Parteigruppe der deutschen Christdemokraten. Eine Episode in seinem Lebenslauf, die auf der offiziellen Homepage der CDU Hamburg übrigens verschwiegen wird.

Trotzdem sorgte er in dieser Zeit für jede Menge Debatten. So wollte er unter anderem Bareback-Sex unter Strafe stellen. Auch lehnte er eine Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare im Adoptionsrecht ab.

Wie er sich in diesen Fragen als Vorsitzender der Hamburger CDU positionieren wird, ist noch nicht klar. Unkonventionell werden seine Aussagen auf jeden Fall: So stritt er sich 2012 mit dem Hamburger CSD: Der Veranstalterverein sei nicht gemeinnützig, weil er die CDU mit ihrem Veto zur Ehe-Gleichstellung kritisierte, so Heintze damals.

Nach dem ehemaligen Ersten Bürgermeister Ole von Beust und dem glücklosen Spitzenkandidaten Dietrich Wersich ist Heintze der dritte offen schwule Spitzenpolitiker der Hamburger CDU.