Hillary-Werbespot hat in Russland Jugendverbot

Eigentlich war sich die ganze Welt darüber einig, was sie vom ersten Wahlserbe-Spot halten soll, den Hillary Clinton am Sonntag veröffentlicht hat, um damit in den Präsidentschaftswahlkampf einzutreten: Nette Menschen aus der breiten US-Mittelschicht sind die Staffage zu einem harmlosen Spot. Die ganze Welt? Nicht so Russland – dort wurde der Spot für minderjährige verboten.

Doch der Grund ist nicht eine alte Fehde zwischen Wladimir Putin und der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton. Der Grund dauert vier Sekunden: Ein schwules Paar ist händchenhaltend zu sehen.

Denn Teil des US-Mittelstandes sind für Hillary Clinton auch der 31-jährigen Anwalt Jared Milrad und der ein Jahr jüngere Nathan Johnson, der bei einer Consultingfirma angestellt ist. Sie berichten in dem Wahlwerbespot über ihre Beziehung und die bevorstehende Hochzeit.

Genau das widerspricht allerdings dem russischen Gesetz gegen „Homo-Propaganda“. Deshalb hat ihn der unabhängige russische Fernsehsender „Doschd TV“, der fast nur über das Internet empfangen werden kann, auch als „Freigegeben ab 18“ eingestuft.

Damit wolle man vermeiden, wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen „Homo-Proppaganda“ bestraft zu werden und eine Geldbuße zu zahlen, erklärte ein Sprecher des kleinen Senders gegenüber dem US-Network ABC.

Die Altersbeschränkung ist in russischen Medien eine beliebte Möglichkeit, kritische Inhalte zu veröffentlichen, ohne wegen diverser Verstöße bestraft zu werden. Einige Medien, wie die Oppositionszeitung „Novaya Gazeta“ hat sich deshalb vollständig erst ab 18 freigegeben eingestuft.

Jared Milrad und Nathan Johnson verstehen diese Einstufung nicht. „Ich denke, wenn Wladimir Putin ohne Hemd auf einem Pferd reiten kann, können wir auch Händchen halten“, so Johnson in einem Radiointerview.