[Video] Parade in Belgrad verläuft friedlich

Weitgehend friedlich verlief am Sonntag die „Beograd Prajd“ durch die serbische Hauptstadt Belgrad: Unter massivem Polizeischutz konnten die bis zu 1.500 Teilnehmer ihren Marsch für gleiche Rechte ohne Probleme durchführen. Mögliche Störer wurden im Vorfeld verhaftet, danach besprenkelten Orthodoxe die Route der Parade mit Weihwasser.

Für die Parade hatte die Polizei die Innenstadt weiträumig abgesperrt. Die Route führte vom Parlament bis zum Rathaus, dort hatten im Vorfeld bereits einige Transgender-Aktivisten auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm: Teilnehmer an der „Beograd Prajd“ konnten nur an drei Zugangspunkten zum Umzug kommen. Über dem Stadtzentrum kreiste ein Helikopter der Polizei. Politiker hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dass sie keine Gewalt im Umfeld der Belgrader Lesben- und Schwulendemonstration dulden würden.

Insgesamt hat die serbische Polizei nach Angaben der Boulevardzeitung „Blic“ 54 potentielle Störer festgenommen. Unter ihnen waren auch sieben maskierte Männer. Am Tag vor der Parade waren in Belgrad Plakate wie „Keine schwule Schande in der Öffentlichkeit“ aufgetaucht, auch Graffiti mit Drohungen wie „Der Marsch wird nicht stattfinden“ wurden aufgesprüht.

Die „Parada“ selbst verlief aber ohne Störungen. Offiziell genehmigt wurde sie auch heuer erst am Samstag, In den Jahren 2011 bis 2013 war sie von den Behörden aus Sicherheitsgründen untersagt worden. Goran Miletic, einer der Organisatoren der „Beograd Prajd“, lobte die diesjährige Zusammenarbeit mit der Polizei.

Am Marsch selbst nahmen unter anderem Integrationsministerin Jadranka Joksimović, Kulturminister Ivan Tasovac und der Belgrader Bürgermeister Siniša Mali teil – ein großer Fortschritt im Vergleich zu den letzten Jahren. Überhaupt war besonders die Unterstützung des Bürgermeisters überdurchschnittlich: Sein Büro organisierte einen Wagen und ließ von einigen Straßenlaternen Regenbogenflaggen hängen.

Doch es war trotzdem keine Parade wie jede andere: So empfohlen die Organisatoren den Teilnehmern, nach Ende der „Beograd Prajd“ aus Sicherheitsgründen keine Symbole der Lesben- und Schwulenbewegung sichtbar zu tragen. Jenen, die um ihre Sicherheit besorgt waren, bot die Polizei an, sie von der Parade nach Hause zu fahren.

Etwa 70 nationalistisch-religiöse Gegendemonstranten hatten nach der offiziellen Veranstaltung an einer Gegendemonstration auf der gleichen Strecke teilgenommen. Dabei wurde Weihwasser auf die Straßen gesprenkelt – wohl, um den Boden der serbischen Hauptstadt von diesem gottlosen Ereignis wieder zu säubern.

Die Parade war der Höhepunkt einer internationalen Konferenz für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern, die in der Woche zuvor im Parlamentsgebäude stattfand. Organisiert wurde diese Veranstaltung unter anderem mit Hilfe der deutschen Hirschfeld-Eddy-Stiftung und des Deutschen Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD).

Geändert hat sich offenbar auch die Berichterstattung in den serbischen Medien über die „Beograd Prajd“. Mit dieser war Miletic in diesem Jahr sehr zufrieden. In einem Interview bezeichnet er sie als „äußerst korrekt und überwiegend wohlwollend“.

Die Geschichte der „Beograd Prajd“ war in den letzten Jahren oft eine Geschichte von Gewalt oder Behördenwillkür: Bei der ersten Belgrader Lesben- und Schwulenparade im Jahr 2001 wurden mehrere Teilnehmer der sehr kleinen Demonstration verprügelt. Daraufhin gab es lange keine Versuche, Lesben und Schwule durch die serbische Hauptstadt ziehen zu lassen. Die Parade im Jahr 2010 endete in Straßenschlachten, die sich religiös-orthodoxe Gegendemonstranten mit der Polizei lieferten. Daraufhin wurde die Veranstaltung in den drei kommenden Jahren aus Sicherheitsgründen verboten. Die Polizei gab an, die Veranstaltung nicht schützen zu können – und die Veranstalter konnten und wollten sich die mafiaähnlich organisierten privaten Sicherheitsdienste nicht leisten. Letztes Jahr fand die Parade dann unter großem Polizeischutz statt. Die serbische Regierung wollte so auch ihre Unterstützung für Minderheiten gegenüber der EU demomstrieren. Diese Veranstaltung fand, abgesehen von kleinen Rangeleien am Rande des Umzugs, ebenfalls überwiegend friedlich statt.