‚Goldenes Brett vorm Kopf‘ an Aids-Leugner

In Wien sind zwei selbsternannte Wunderheiler, die die Existenz von Aids und dessen medizinische Behandlung bezweifeln, mit dem „Goldenen Brett vorm Kopf“ ausgezeichnet worden. Mit dem Schmähpreis ehrt die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) jedes Jahr den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“.

Dieser Preis geht dieses Jahr an den 52-jährigen Biologen Stefan Lanka. Der Biologe leugnet die Existenz von Infektionskrankheiten wie Aids, Ebola oder Masern. In Büchern wie „Impfen und Aids: Der Neue Holocaust“ behauptet er unter anderem, die Immunschwächekrankheit sei eine Erfindung der Pharmaindustrie, um neue Märkte zu erschließen.

Lanka bezweifelt, dass Viren überhaupt Krankheiten auslösen können. Stattdessen würden Ärzte ihre Patienten durch Impfungen erst krank machen – aus reiner Profitgier, behauptet er. Mit seine Theorien steht er der antisemitischen, verschwörungsideologisch geprägten „Germanischen Neuen Medizin“ nahe.

„Mit der Virologie erklärt er ein ganzes Teilgebiet der Medizin für obsolet, das seit Jahrhunderten große Triumphe feiert und bereits unzählige Menschenleben gerettet hat“, begründet die GWUP ihre Entscheidung.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Stefan Lanka bekannt, als er im Jahr 2011 für den Beleg der Existenz und Größe des Masernvirus eine Summe von 100.000 Euro auslobte. Seiner Meinung nach existiere es nämlich nicht. Der Nachweis gelang natürlich: Ein Mediziner schickte ihm mehrere Studien und seine Kontonummer. Doch Lanka glaubte den Beweisen nicht und weigerte sich zu zahlen – bis er im März dieses Jahres von einem Gericht zur Zahlung des Betrags verurteilt wurde. Lanka hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Auch das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ geht in diesem Jahr an jemandem, der sich unwissenschaftlich mit Aids beschäftigt. Zwar leugnet der deutsche Arzt und „Wunderheiler“ Matthias Rath die Existenz der Krankheit nicht, bezweifelt aber die derzeit geltende medizinische Behandlung.

Er heilt durch HIV verursachte Erkrankungen lieber mit „Zellularmedizin“, die besagt, dass der Betroffene durch hohe Dosen von Vitaminen und Nährstoffen geheilt werden kann. In Studien konnte die Wirksamkeit dieser Methode wenig überraschend nicht nachgewiesen werden.

In Südafrika landete Rath mit seiner Stiftung sogar vor Gericht, nachdem er Aids-Patienten von einer antiretroviralen Therapie abgeraten und ihnen falsche Hoffnungen gemacht hatte, sie mit Vitaminpräparaten heilen zu können.