Papst redet in Uganda über Homo-Rechte – aber nur sein Sprecher versteht ihn

Bei seinem Aufenthalt in Uganda hat Papst Franziskus die dort geltenden Gesetze kritisiert, die Homosexualität verbieten. Zumindest, wenn man Vatikan-Sprecher Federico Lombardi glauben möchte. Denn statt klarer Worte gab es nur eine dezente Anordnung.

Am Samstag hatte der Papst vor 300.000 Menschen einen Gottesdienst in der Märtyrer-Wallfahrtsstätte von Namugongo abgehalten. Bei seiner Predigt forderte er, „eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen, die die Menschenwürde fördert und niemanden ausschließt“. Das habe sich, so Lombardi am Abend bei einer Pressekonferenz, auch auf die umstrittenen Homosexuellen-Gesetze in Uganda bezogen.

Doch mit dieser Interpretation steht der Vatikan-Sprecher recht alleine da. Wie das ZDF berichtet, löste bei den anwesenden Journalisten diese Erklärung Verwunderung aus. Man habe sich vom Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche deutlichere Worte erwartet. Schließlich habe sich der Papst mehrmals für einen respektvolleren Umgang mit Homosexuellen ausgesprochen. Und auch, wenn das von einer Gleichstellung noch meilenweit entfernt ist, wäre eine Bekräftigung dieser Meinung in Uganda ein klares Bekenntnis gegen die derzeitige Lage.

Die Lesben und Schwulen in Uganda hatten sich im Vorfeld des Besuches von Papst Franziskus ein entschiedenes Wort gegen Diskriminierung erhofft. Wer in Uganda als Schwuler lebe, riskiere angegriffen, umgebracht oder festgenommen zu werden, zitierte die Missionsnachrichtenagentur Misna einen der prominentesten Schwulen Ugandas, Jackson Mukasa. Mukasa wurde 2014 als 19-Jähriger unter dem Vorwurf „widernatürlicher sexueller Beziehungen“ vor Gericht gestellt. Ihm drohte lebenslange Haft. Die Anklage wurde später aus Mangel an Beweisen fallengelassen.

Doch offenbar wollte der Vatikan die Feelgood-Stimmung beim Besuch des Heiligen Vaters nicht gefährden. Denn vor der Ankunft von Papst Franziskus hat Ethikminister Simon Lokodo klar gemacht: „Ich bete, dass er nicht darüber spricht. Denn das öffnet die Büchse der Pandora. Er soll sich auf Akzeptanz konzentrieren, nicht auf Tolerant. Wir haben diesen Lebensstil immer verurteilt, besonders bei Exhibitionsmus. Es ist schlimm genug, dass Homosexuelle da sind, aber sie sollen nicht weitermachen und sich zur Schau stellen.“

Dafür könnte Papst Franziskus bei einem anderen Punkt der Tagesordnung eher unbemerkt auf Lesben und Schwule zugegangen sein. Denn während der Messe gedachte er auch 22 junger katholischer Männer, die 1886 auf Anordnung des örtlichen Königs Mwanga hingerichtet worden waren. Historikern zufolge mussten sie nicht nur wegen ihres Glaubens sterben, sondern auch, weil sie sich weigerten, Sex mit dem König zu haben.

Im vorab verbreiteten Manuskript der Predigt wollte Papst Franziskus die Märtyrer noch dafür loben. „beim König das als Sünde zu brandmarken, was das Evangelium nicht erlaubt“. Im Gottesdienst fehlte dieser Satz. Ein kleines Symbol, das einige Lesben und Schwule in Uganda ermutigt.