Charamsa: ‚Ich habe meine Würde und Freiheit zurückgewonnen‘

„Mit meinem Coming-out habe ich zwar alles verloren, habe jedoch meine menschliche und christliche Freiheit, das Glück und die Würde zurückgewonnen.“ Es sind deutliche Worte, die der suspendierte Vatikan-Prälat Krzysztof Charamsa in der aktuellen Ausgabe des italienischen Klatschmagazins „Chi“ findet.

Der gebürtige Pole hat sich am 3. Oktober, kurz vor Beginn der Familiensynode im Vatikan, in einer Pressekonferenz als schwul geoutet. Dabei war er der bislang höchstrangige Geistliche, der diesen Schritt gewagt hat: Seit 2004 lehrte er an der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum in Rom, 2009 kam ein Lehrauftrag an der Päpstlichen Universität Gregoriana, der wichtigsten katholischen Hochschule, dazu. Im Jahr 2011 wurde er zum Assistenzsekretär der Internationalen Theologischen Kommission der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan ernannt. Im Jahr 2008 erhielt er den päpstlichen Ehrentitel „Kaplan Seiner Heiligkeit“ mit der Anrede „Monsignore“.

Der Vatikan entband den Geistlichen daraufhin von seinem Posten in der Glaubenskongregation und entzog ihm seine Lehrbefugnis für päpstliche Hochschulen. Der Bischof seiner Heimatdiözese Pelplin, Ryszard Kasyna, suspendierte ihn vom Priesteramt. „Ich habe Arbeit, ein Gehalt, meine Wohnung und die soziale Sicherheit verloren. Die Kirche hat mir in einem Augenblick alles weggenommen, als würde ich nicht mehr existieren“, erinnert sich Krzysztof Charamsa an diesen Moment.

Halt fand der 43-Jährige bei seinem Partner, dem Katalanen Eduard Planas. Mit ihm lebt er nun in Barcelona. „Die Katalanen haben mich sehr gastfreundlich aufgenommen. Ich habe hier einen christlichen Geist abseits von Heuchelei und menschlicher Boshaftigkeit entdeckt, die typisch für den Vatikan und vieler Kirchen, angefangen von einem Großteil meiner polnischen Kirche, sind“, lobt Charamsa seine neue Heimat.